Herr Schäfer arbeitet für die Messe Essen. Er trägt sein aschblondes Haar kurz, eine dunkle Hose, ein weißes Hemd. Heute wirkt er damit wie ein Außerirdischer. Eben hat er ein sehr plüschiges Ewok-Mädchen durchgewunken. Jetzt prüft er die Waffe eines blauhäutigen Twi'leks. Es ist eine DC-15X, also eigentlich das Gewehr eines Klonkriegers – weiß wohl nur der Twi´lek selbst, wo er die her hat – aber für Herrn Schäfer geht das in Ordnung. Der Blaue darf Halle 12 betreten.

Dort treffen sich an diesem letzten Juli-Wochenende Tausende Fans der Science-Fiction-Saga Star Wars, um ihre Lieblingsgeschichte zu feiern. Celebration heißt die Veranstaltung. Fan-Messe beschriebe es treffender. Bereits achtmal wurde sie seit 1999 an unterschiedlichen Orten der Welt von Lucasfilm organisiert. Jenem Medienkonzern, der für die Umsetzung des ersten Star Wars-Films von George Lucas gegründet wurde, acht Töchter zeugte und vor knapp einem Jahr für etwas mehr als vier Milliarden Dollar an Disney ging. Star Wars-Messen sollen den Kult um die Saga am Leben halten. Das gehört zur Strategie des Unternehmens, das es damit erstaunlicherweise schaffte, über Jahrzehnte hinweg sechs Teile einer einzigen Geschichte erfolgreich ins Kino zu bringen. Zu dieser Strategie gehört es, Animé-Serien zu produzieren, Computerspiele zu lizensieren und eben Merchandising-Produkte zu verkaufen. Dann, wenn die Macht des Marktes weiter mit Lucasfilm ist, wird voraussichtlich 2015 der siebte Spielfilm in die Kinos kommen.

Auf den 15.000 Quadratmetern Fläche von vier Ausstellungshallen reiht sich Stand an Stand, rund hundert insgesamt. Man kann kleine Plastikroboter kaufen, die im Star Wars-Universum Droiden heißen, Rucksäcke in der Form aller möglichen extraterrestrischen Wesen, alte und aktuelle Sammelkarten, Laserschwerter oder den Metallbikini von Prinzessin Leia – wenn auch aus Plastik.

Allein der Spielwarenhersteller Lego belegt etliche Regalmeter mit Baukästen zu den Star Wars-Filmen. Darth Vader mit Integralhelm und Umhang steht hier in – nun – Lebensgröße, ebenso wie der deutlich kleinere Meister Yoda, jenes weise grüne Wesen, das aussieht wie E.T. mit langen Ohren und mit eigenwilliger Grammatik spricht. Beide hat jemand aus zigtausend Plastikklötzchen zusammengesteckt. Es ist anzunehmen, dass er es gerne getan hat, denn selbst auf Seiten der professionellen Aussteller scheint man ausschließlich auf Fans zu treffen.

Piero Bockos zum Beispiel trägt das Zeichen der Rebellen-Allianz auf dem Unterschenkel. Der große Italiener mit dem schwarzen Bart und dem Piratentuch um die langen Haare zeigt damit nicht nur, dass er für Freiheit in der ganzen Galaxis ist, sondern auch, dass er hier in Essen nicht irgendwelche Tattoos sticht. Er ist ein von Lucasfilm lizensierter Tätowierer. Unter den Fotos, die er seinen Kunden als Vorlagen anbietet, findet sich der goldene Android C-3PO sowie ein Darth Vader, der aus der Schulter zu greifen scheint. Wirklich sehr beeindruckend. Eine etwa dreißigjährige Deutsche interessiert sich für das kleinere Tattoo eines Roboters und macht schließlich für den nächsten Tag einen Termin aus. Es wird sie etwa 170 Euro kosten. Ob Lucasfilm davon einen Teil abbekommt? "Noch nicht", antwortet Piero. "Aber wer weiß?", scherzt er. Das Medienunternehmen gilt als sehr strikt bei der Wahrung seiner Merchandising- und Lizenz-Rechte. Auf der Celebration dürfen nur Fans, Unternehmen, Klubs ausstellen, die von Lucasfilm die Genehmigung dafür bekommen.