ZEIT ONLINE: Frances Ha stellt keine romantische Liebe, sondern eine Frauenfreundschaft in den Mittelpunkt der Geschichte. Wie würden Sie die Beziehung zwischen Frances und Sophie beschreiben? Warum gerät sie genau zu diesem Lebenszeitpunkt in die Krise?

Noah Baumbach: Wir wollten die Lebensphase von Endzwanzigern erforschen, in der wir allmählich ins eigentliche Erwachsenendasein wechseln. Francis kämpft mit diesem Übergang sehr viel stärker als andere Menschen. Die platonische Freundschaft zu Sophie ist ihr Ersatz für eine Liebesbeziehung, aber auch für familiäre Bindungen. Die beiden Frauen leben zusammen und sind immer füreinander da. Frances ist nicht bereit, diese Freundschaft aufzugeben. Sophie hingegen beginnt, sich weiterzuentwickeln. Sie will in eine andere Gegend ziehen, mit einem Mann zusammenleben – sie wird in einem eher traditionellen Sinne erwachsen, während Frances an ihrem urbanen Jugenddasein festhält.

ZEIT ONLINE: Gehörte der Verzicht auf eine Liebesgeschichte als treibende, dramaturgische Kraft von Anfang an zum Konzept?

Baumbach: Das hat sich eher beim Schreiben so ergeben, aber es passte sehr gut zu dem Film. Frances fühlt sich Sophie so stark verbunden, dass sie sich einfach nicht auf eine romantische Beziehung einlassen kann. Am Anfang macht sie sogar mit ihrem Liebhaber Schluss, weil sie merkt, dass sie lieber mit Sophie zusammenleben will. Im Verlauf des Filmes lernt sie, dass man auf verschiedene Weise lieben kann. Es wäre einfach eine zu starke Ablenkung gewesen, wenn wir ihr noch eine Romanze angedichtet hätten. Frances sollte ihren Weg alleine und ohne männliche Hilfe finden.

ZEIT ONLINE: Gibt es diese Form der alles dominierenden Freundschaft auch unter Männern?

Baumbach: Ich hatte in meinen Zwanzigern solche Freundschaften. Sie waren vielleicht nicht ganz so eng wie die zwischen Sophie und Frances. Wir haben nicht zusammen gewohnt, aber eine Menge Zeit miteinander verbracht, und wir haben füreinander definitiv ein größeres Loyalitätsgefühl empfunden als für die jeweiligen Frauen, mit denen wir zusammen waren. Aber auch da setzte mit Ende 20 allmählich eine Veränderung ein. Wenn man anfängt zu planen, wann man sich sehen kann, weiß man, dass man sich in einer anderen Lebensphase befindet.