Good things come to those who wait. Der Spruch hängt an der Wand des Zimmers, das sich Sam mit zwei anderen Männern teilt. Mit dem Warten hat er Erfahrung, mit den guten Dingen weniger. Sam ist 29 Jahre alt und kommt aus Gambia. Seit fünf Jahren lebt er in Deutschland, vier davon verbrachte er in einem Flüchtlingswohnheim in Reutlingen. In seiner Heimat war Sam Musiker, spielte Trommel, Schlagzeug und sang. In Deutschland ist er Flüchtling, zum Stillstand und Warten verurteilt.

Als der Musiker Heinz Ratz von der Band Strom & Wasser 2011 mit dem Fahrrad durch Deutschland fährt und Flüchtlingsheime auf seiner Route besucht, lernt er viele Musiker, Sänger und Rapper kennen, manche von ihnen sind in ihren Heimatländern bekannte und erfolgreiche Künstler. Ratz lädt sie ein, mit seiner Band auf Tournee zu gehen und eine CD aufzunehmen. Strom & Wasser featuring The Refugees. Es ist ein beinahe unmögliches Unterfangen. Die Musiker müssen in ihren zugeteilten Bezirken bleiben, dürfen nicht einmal ihr Dorf ohne Genehmigung verlassen, Residenzpflicht heißt das und dient der absoluten Kontrolle über die Aktivitäten der Asylsuchenden. 

Der Dokumentarfilm, der die Geschichte dieses Projekts erzählt, heißt Can't Be Silent und ist die erste Kinoproduktion von Julia Oelkers, einer TV-Journalistin, die sich schon lange mit Rassismus und Asylpolitik beschäftigt. Oelkers zeigt die Flüchtlinge als Musiker und die Musiker als Flüchtlinge. Unterstrichen wird dies durch harte Gegenschnitte: hier die Bühne, dort der Wohncontainer, hier die umjubelten Musiker, dort die namenlosen Flüchtlinge.

Die Regisseurin erzählt von dem Afghanen Hosain, der erst 18 ist und aufgrund seiner kritischen Raptexte mit 15 aus seiner damaligen Heimat Iran fliehen musste. Hosain, der Unglaubliches auf seiner Flucht erlebt hat und trotzdem voller Energie ist, der immerzu Musik hört und auf der Straße anfängt zu rappen. Hosain, der seine Mutter stolz machen möchte, der seine große Liebe zurückgelassen hat und auf dem Seeweg nach Griechenland beinahe ertrunken wäre. Und dem in Deutschland die Abschiebung in den Iran droht.

Oder von Jacques, der schon als Kind in seiner Heimat Elfenbeinküste dicht bei den Trommlern saß, um sich alles abzugucken. Jacques sagt, er möchte den Menschen mit seiner Trommel Freude bringen: "Aber wenn ich nur im Lager bin, bin ich eingesperrt und niemand kann wissen, was es in meinem Herzen gibt." Seit vier Jahren lebt er im Flüchtlingslager Bramsche in Niedersachsen, einem Containerdorf. Die Polizei kommt regelmäßig nachts um vier und reißt die Menschen aus dem Schlaf, um sie zum Flughafen zu bringen, wo sie abgeschoben werden. Eine Filmszene spielt am Stacheldrahtzaun des Lagers. Männer stehen am Fenster und rauchen, sie schicken ihre Kinder zum Zaun und lassen sie das Filmteam fragen, warum man sie an diesem Ort halte wie Schwerverbrecher.

Die Geschichten der Musiker ähneln sich, alle erzählen von Gewalt, von Traumata, von Todesängsten und der traurigen Erkenntnis, dass Deutschland, das Land der Verheißung, sie zwar aufnimmt, ihnen aber auch nicht helfen will. Und sie berichten davon, wie es ist, immer nur Flüchtling zu sein, statt Trommler, Rapper, Vater, Teil der Gesellschaft.