Jeder Film besteht aus Hunderten von Einzelbildern. Ein guter Film fügt sie zu einer großen Geschichte zusammen. Ein schlechter Film lässt sie unzusammenhängend auseinanderpurzeln. Freakonomics, der diese Woche in die Kinos kommt, ist ein schlechter Film. Er besteht nur aus Fragmenten. Es gibt nichts, was ihn zusammenhält.

2005 erschien in den USA das Buch Freakonomics und wurde zum kontrovers diskutierten Welterfolg mit Millionenauflage. Der amerikanische Ökonom Steven Levitt und der New-York-Times-Journalist Stephen Dubner suchten nach ökonomischen Antworten, wo Ökonomie bislang keine entscheidende Rolle spielte: bei der Kindeserziehung, beim japanischen Nationalsport Sumo-Ringen, in der Schule. Sie berechneten, dass die seit den Neunzigern sinkende Kriminalitätsrate in den USA vor allem mit der Legalisierung der Abtreibung in den Siebzigern zu tun hatte, nach der weniger ungewollte Kinder auf die Welt kamen; und sie vertraten die These, dass die Ökonomie in ihrem Wesenskern eine Wissenschaft von Anreizen ist.

Man musste das Buch nicht gut finden. Aber es hatte eine Idee, es war logisch zusammengesetzt. Der Film hat nur die Idee, das Buch irgendwie in Bilder umzusetzen. Das funktioniert nicht, weil in ihm gleich sechs Regisseure die Geschichten des Buches wahllos durcheinanderwürfeln, ohne Dramaturgie, ohne einheitliche Bildsprache.


Manche Kapitel des Buches dauern nur wenige Sekunden. Dann sitzen die beiden Buchautoren nebeneinander und flachsen gewollt ungezwungen darüber, dass nicht nur Schüler, sondern auch Lehrer betrügen, um gute Klassenergebnisse vorzutäuschen.

Manche Kapitel dauern ewig. Zum Beispiel das über die richtige Auswahl von Kindernamen. Warum aber soll man eine Viertelstunde mit Strichmännchenerklärungen, sinnlosen Straßenumfragen und Professoreninterviews vor Bücherwänden verbringen, wenn bei der Frage, ob es für Kinder einen Namen mit eingebauter Erfolgsgarantie fürs spätere Leben gibt, am Ende die banale Antwort "nein" herauskommt?