Heute sind mehrere solche Schicksale bekannt, besonders die Geschichte von Ludwig Bergmann. Sie inspirierten nun den Film Zwei Leben. Mit einer riskanten Rückblendendramaturgie – manche Erinnerungsschnipsel führen in die Irre – setzt der Regisseur Georg Maas das Puzzle um Katrines Identität zusammen. Riskant ist auch die Strategie, das Geschehen weitgehend aus der Perspektive einer Frau, die mehr Täterin als Opfer ist, zu schildern. Während sich Katrines norwegische Familie angesichts der Fragen des Anwalts zunehmend über die Ungereimtheiten ihrer Flucht aus der DDR über die Ostsee in den sechziger Jahren wundert, versucht sie mit Hilfe von Stasi-Hintermännern verzweifelt, ihre Spuren zu verwischen.

Juliane Köhler ist als schillernde Antiheldin perfekt besetzt. Die kühle Frau, hinter deren beherrschter Miene sich Panik andeutet, ist bis zur todtraurigen letzten Enthüllung abwechselnd skrupelloses Biest und tragische Sympathieträgerin. So könnte Zwei Leben mit seinen brennenden Fragen nach Identität und Verrat die Allüre einer antiken Tragödie haben, wären da nicht einige leider nervige inszenatorische Schwächen.

Weitgehend verschenkt ist in diesem psychologischen Vexierspiel Liv Ullmann als Katrines Mutter, die kaum mehr zu tun hat, als in brütender Traurigkeit zu verharren. Rainer Bock hat man bereits in Barbara als zwielichtige Geheimdienst-Kreatur erlebt, und Katrines Ehemann Sven Nordin gibt den prototypisch fröhlich-aufgeräumten Nordmann.

Für einen richtig guten Film fehlen jedoch nicht nur interessantere Nebendarsteller. Auch das Drehbuch ist bei dem Versuch, das Erbe des Dritten Reiches mit Stasi-Verbrechen und einen Politkrimi mit einem Familiendrama zu verzahnen, holprig geraten. Indizien werden aufgebracht und stillschweigend fallen gelassen. Es mangelt an Glaubhaftigkeit. Unwahrscheinlich ist beispielsweise, dass ein DDR-Flüchtling, der nach seiner Ankunft im Westen der Spionage verdächtigt wird, in einem militärisch sensiblen Bereich arbeiten darf. Oder dass eine ausgebildete Agentin so unvorsichtig agiert wie in diesem Film. Und schließlich fehlt es der Ausstattung des auf mehreren Zeitebenen spielenden Films an anschaulichem Zeitkolorit. Die Kulissen sind im Vergleich mit internationalen Großproduktionen eher kümmerlich.

Der Kern dieser Story, in der Menschen zwischen den Mühlen verbrecherischer Systeme zerrieben werden, ist jedoch fraglos herzzerreißend. Am 16. Januar fällt die Entscheidung, ob das der Academy für eine Nominierung des Films als Oscar-Kandidat ausreicht.