Ein Schluck Zaubertrank, und – Zack! – fliegt ein Bösewicht aus dem Bild. So werden in der Welt von Asterix und Obelix seit jeher die meisten Probleme gelöst. Und auch im heute erscheinenden neuen Band Asterix bei den Pikten gibt es viele muntere Raufereien, an deren Ende die Welt der Gallier wieder in Ordnung ist. Nur ein Problem der erfolgreichsten europäischen Comicreihe ließ sich viele Jahre nicht mit einem beherzten Faustschlag lösen: Seit dem Tod ihres Co- Schöpfers, des Autors René Goscinny, hatten die die Geschichten stetig an Niveau und Witz verloren. Sein Kompagnon Albert Uderzo ist zwar ein selten guter Zeichner aber kein begnadeter Autor.

Seit Wochen schon auf den Bestsellerlisten

Daher atmeten viele Comicfans auf, als im vergangenen Jahr bekannt wurde, dass der 86-Jährige sich altersbedingt – und wohl auch auf Drängen seines Verlages – bereiterklärt hatte, das Zepter an den Autor Jean-Yves Ferri und den Zeichner Didier Conrad weiterzugeben. Die beiden heute 54-Jährigen hatten in der Comicszene dank erfolgreicher eigener Erzählungen schon lange einen guten Ruf, Ferri unter anderem durch die mit dem Zeichner Manu Larcenet geschaffene Serie Die Rückkehr aufs Land und Conrad durch Reihen wie Bob Marone und Helden ohne Skrupel.

Aber würden sie auch in der Lage sein, die vor einst in ihrem Geburtsjahr 1959 eingeführte und bis heute international von Millionen Fans verehrte Marke zeitgemäß weiterzuentwickeln und zugleich der Tradition gerecht zu werden? Ein Balanceakt, dessen Ergebnis ab diesem Donnerstag jeder lesen kann: Mit einer Startauflage von fünf Millionen Exemplaren alleine in Frankreich und Deutschland kommt Asterix bei den Pikten in den Handel, zeitgleich mit der Veröffentlichung in zahlreichen anderen Ländern. Seit Wochen schon führt dieses Buch die Bestsellerlisten beim Internethändler Amazon an – allein dank der Vorbestellungen. Auch das zeigt, wie hoch die Erwartungen an diesen Comic sind.

Anklänge an "Asterix bei den Briten" und "Asterix bei den Schweizern"

Bei der Lektüre stellt sich als erstes Erleichterung ein: Dieses Album ist weder eine wirr zusammengepappte Nummernrevue wie der vor vier Jahren erschienene Vorgängerband Asterix und Obelix feiern Geburtstag. Noch ist es ein verzweifelter Versuch, mit Anleihen bei Disney- oder Superhelden-Comics die Serie zu verjüngen, wie es 2005 im Album Gallien in Gefahr gründlich misslang. Nein, Asterix bei den Pikten liegt dank des Autors Jean-Yves Ferri erzählerisch weit über den vergangenen Bänden und kann durchaus an die Glanzzeit der Serie in den 1960er und 70er Jahren anknüpfen, ohne dabei altbacken zu wirken. Und zeichnerisch hält Didier Conrad das von Uderzo etablierte hohe Niveau, ergänzt um ein paar zusätzliche Nuancen.

Die Geschichte beginnt im strengen Winter des Jahres 50 vor unserer Zeitrechnung. Das wohlbekannte gallische Dorf ist in Schnee gehüllt, was Conrad ansprechend in Szene setzt. Beim Strandspaziergang finden Asterix und Obelix einen im Eis eingefrorenen Fremden, der offenbar übers Meer gekommen ist. Er ist muskulös, tätowiert und trägt auf der nackten Haut bloß einen karierten Kilt, zur Verzückung vor allem der Dorfbewohnerinnen. Der anfangs Sprachlose entpuppt sich als der schottische Clanchef Mac Aphon – eines der vielen Wortspiele, mit denen Ferri und der Übersetzer Klaus Jöken eine Tradition fortsetzen. Mac Aphons Widersacher vom Mac-Abberh-Clan wollten ihn loswerden, um im Norden der britischen Insel mit Hilfe der Römer die Herrschaft über die Stämme der Pikten – so genannt wegen ihrer Neigung zu Tätowierungen und Piktogrammen auf Steinen – an sich zu reißen. Kein Frage, dass Asterix und Obelix sich mit dem Verstoßenen auf eine abenteuerliche Rettungsmission begeben.