Der Schaum der Tage erzählt die Liebesgeschichte zwischen Colin (Romain Duris) und Chloé (Audrey Tautou), die sich eher beiläufig entwickelt, aber schon bald in einer chaotischen Hochzeit mündet, bei der der Priester mit dem Fallschirm zum Altar hinabsegelt. Über das sorglose Glück der frisch Verliebten legt sich schon in den Flitterwochen der erste Schatten, als eine Schneeflocke durch das Hotelzimmerfenster direkt in Chloés Lunge fliegt, in der bald eine Seerose heranwächst.

Der Arzt, den Gondry in einem Cameo-Auftritt selbst spielt, verschreibt teure Pillen aus schwerem Metall und stellt hohe Rechnungen aus. Colin, der bisher von seinen Dublonenvorräten im Tresor gelebt hat, muss sich zum ersten Mal auf dem Arbeitsmarkt verdingen, während zu Hause auf Chloés krankem Körper die mitgebrachten Blumen sekundenschnell welken.

Wie der Roman, so sperrt sich auch der Film gegen dramaturgische Happy-End-Erwartungen. Gerade der Fatalismus dieser Liebesgeschichte hat Gondry fasziniert: "Der Film beginnt mit Szenen, die voller Leben und Energie sind, und führt mit Chloés Krankheit immer mehr in düstere Gefilde. Mit einem Stil zu beginnen und den Film mit einem ganz anderen zu beenden – das hat mich sehr gereizt, auch wenn es manche Zuschauer vielleicht verstören wird".

Für das Glück findet Gondry ebenso starke Bilder wie für den unaufhaltsam nahenden Tod. Das schränkt den Bewegungsspielraum der Schauspieler deutlich ein, entspricht aber auch Vians Stil, die Emotionen seiner Figuren ins metaphorische Umland zu verlagern. Und so weicht mit Chloés Krankheit aus den Bildern langsam die Farbe, ranken sich Flechten an Fensterscheiben empor, schrumpfen die Räume mit jedem neuen, ärztlichen Befund immer mehr zusammen.

Gefühle werden hier über die filmische Textur erzählt, die Gondry, wie in fast allen seinen Filmen, ohne digitale Hilfsmittel im Handarbeitsverfahren herstellt. Alles macht hier einen ungeheuer selbstgebastelten Eindruck und man glaubt die Dinge auf der Leinwand mit den Augen anfassen zu können. Diese sinnliche Art der Bildgestaltung verbindet sich auf eigentümliche Weise mit der Talfahrt der Gefühle und macht aus Der Schaum der Tage einen wilden, traurigen Film.