Damals, als das Land der Dichter und Denker noch das Land der Dichter und Denker war, produzierte man Kultur für die ganze Welt. Warum ist das, was gestern so selbstverständlich war, heute ein völlig fremder Gedanke?

Wenn ich mit deutschen Filmschaffenden rede, höre ich immer wieder, dass sie die finanziellen Mitteln nicht haben, mit Hollywood zu konkurrieren. Dann kommt der britische, in Wien lebende Autor Peter Morgan und schreibt lauter Filme wie Die Queen, Der letzte König von Schottland oder auch eben Rush, die in Europa leicht zu wuppen sind und bei denen Hollywood-Filmemacher grün vor Neid werden. Und ich frage mich: Was steckt wirklich dahinter, dass die Deutschen nicht zu Potte kommen?

Liegt es an der heimlichen Verachtung, die TV-Denker tief im Herzen der sogenannten U-Kultur, dieser Massenkultur für den Pöbel, entgegenbringen – obwohl Film und TV die wichtigsten und mächtigsten Medien unserer Zeit sind?

Liegt es am Finanzierungssystem? Am staatlichen Mäzenatentum, das mit Zuckerbrot und Peitsche die moderne Kultur an der kurzen Leine hält?

Oder an den Produzenten, die von staatlicher Filmförderung leben und in vorauseilendem Gehorsam nur das produzieren, was den Staatsbeamten in den Finanzierungsgremien niemals als zu gewagt erscheinen könnte?

Oder gar an den TV-Dichtern, die es trotz Ausbildung und Erfahrung nie schaffen, kreativ zu werden? All diese hoffnungsvollen Idealisten, die in ihrem jugendlichen Eifer etwas Besonderes, Tolles, Neues, gar Relevantes machen wollen, und in der grausamen Mühle des Systems als Erstes lernen, dass sich dort außer dem Üblichen, Altbewährten, Sicheren und Angepassten nichts vermitteln lässt?

Es ist ein Rätsel. Aber keine Sorge. Wir Amis passen auf euch auf. Wir werden eure Themen eins nach dem anderen verarbeiten, damit die deutsche Kultur nicht stirbt.