TV-Kritik im Sekundentakt: Oft sind die Kommentare auf dem sogenannten Second Screen viel unterhaltsamer als das, was auf dem Fernsehbildschirm zu sehen ist. Die Twittritik auf ZEIT ONLINE erklärt, was die Zuschauer wirklich beschäftigt.

Lena Odenthal ist die dienstälteste Kommissarin im Tatort. Ihr erster Einsatz war noch vor dem Mauerfall. Sie hat unter Kohl, Schröder und Merkel ermittelt. Bei Lidl, in Fleischereien und Resozialisierungscamps. Solide Themen für den sozialkritischen Bildungsauftrag der ARD. Doch die Öffentlich-Rechtlichen müssen jünger werden. Wenn schon die Gäste bei Wetten, dass…? ein höheres Durchschnittsalter erreicht haben als die Zielgruppe, dann muss doch wenigstens der Tatort die Jugend abbilden.

In Ludwigshafen sind es also nun Ballerspiele, ein geplanter Schulamoklauf und natürlich die ewig sinnlose Debatte, ob das eine des anderen Ursache ist. 

Diese Koordinaten bringen die Handlung kein Stück weiter, dafür die Kommentatoren in Wallung. Vor allem der Tatort-Algorithmus: Videospiele + Schulumgebung = Amoklauf.

Lena Odenthals allerunfassbarste Frage an ihren ballerspielenden Kollegen:

Der geistigen Verjüngung des Tatort steht entgegen, dass die IT-Kenntnisse von Kopper und Odenthal auf dem Stand von 1996 sind. Damals kam gerade der USB-Stick auf den Markt.

Zur Erklärung, warum eine bestimmte Phrase immer wiederkehrte, wurde folgende These "ins Netz gestellt":

Was die Zuschauer sonst noch bewegte? 

  • Dass die Grünen nach der Wahlpleite offenbar die Finger von jeglicher Art der Belehrung lassen. Und nicht mal mehr die Rechtsbrüche forscher Kommissare auf #tatortwatch ahnden.
  • Ob es gendermäßig ok ist, dass die verdächtige Schulfreundin einen rosa Pullover trägt:
  • Der Cameo-Auftritt des neuen Frankfurter Ermittlers Wolfram Koch
  • Die Gemeinsamkeit zwischen der Ermittlerin und der Exbundespräsidenten-Gattin
  • Erst als der Abspann läuft, fällt vielen Twitterern auf: Moment mal, wer war's denn eigentlich jetzt?

Ob es an den vielen losen Enden lag, die die Drehbuchschreiber am Schluss nicht mehr zusammenbekamen oder am Second-Screen-Gucken – geschenkt. Ein Tatort zum deleten.

Änderung vom 7.10.13: Lena Odenthal ermittelt in Ludwigshafen, nicht in Ludwigsburg.