Schon in den ersten fünf Minuten erfuhr man mehr, als man wissen wollte: Tom Buhrow ist 55 Jahre alt, 1,78 Meter groß, 83 Kilo schwer (seit er WDR-Intendant ist, hat er dreieinhalb Kilo zugelegt), er bewundert Bob Dylan und würde sich nur dann für einen guten Zweck nackt fotografieren lassen, wenn es sich partout nicht verhindern ließe.


Natürlich war das nur das harmlose Aufwärmgeplänkel mit Moderatorin Bettina Böttinger, aber es zeigte, in welche Richtung der WDR-Check gehen sollte: In dem Liveformat, das am Mittwochabend in Buhrows neuem Haussender ausgestrahlt wurde, wollte der Ex-Tagesthemen-Moderator sich publikumsnah geben.

Vor allem wollte der neue Intendant den Eindruck korrigieren, der öffentlich-rechtliche Rundfunk verhalte sich wie ein unöffentlich-rechtlicher; er wollte Verständnis für den Rundfunkbeitrag schaffen, den seit diesem Jahr jeder Haushalt entrichten muss, unabhängig von der Existenz von Empfangsgeräten. Und das Zauberwort Transparenz fiel im Vorfeld auch. Aber dem Publikum zu viel Investigation und zu wenig Mensch zu präsentieren, das wollte man auch nicht.

Wohlwollend kann man festhalten, dass der WDR mit seinem Check einen relativ neuen Schritt macht. Und dem Beispiel der Konkurrenz folgt. Im März hatte sich nämlich schon der ZDF-Intendant Thomas Bellut in einem seiner Digitalkanäle fragen lassen, ob seine Sendergruppe "von gestern" sei. Es ist grundsätzlich begrüßenswert, wenn sich ein Intendant kritische Fragen stellt, ohne eine zwischengeschaltete Pressestelle, die hinterher die Antworten glättet.

Die Frage aber, wem die WDR-Check-Sendung am meisten nutzt, ist leicht zu beantworten: Tom Buhrow. Der WDR-Intendant wusste sich zu verkaufen wie ein amtierender US-Präsident im Wahlkampf. Er winkte und scherzte, er nickte und gestikulierte, er räumte Fehler ein und bat um Verständnis. Und er warb für einen an der Gemeinschaft der Beitragszahler orientierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Das kam an.

Eine kontroverse Diskussion allerdings entwickelte sich nicht. Viele Einwürfe aus dem Studiopublikum waren, wie Buhrow selbst sagte, "legitim", aber sie drangen nicht tief. Wobei etwa die Fragen nach der Musikauswahl bei den WDR-Radiosendern 1Live und WDR2 Stoff für eine weitergehende Debatte hätten liefern können. Der Vorwurf lautete, dass Musik im Radio auf ein Medium der Sedierung reduziert werde. Sie soll möglichst wenig stören. Diese Kritik ließe sich auf Teile der Fernsehfiktion übertragen. Aber so weit kam man gar nicht.