Der Zombie ist die Horrorgestalt der Stunde. Er wurde jüngster Vergangenheit nicht nur  – so ist der Weg allen Trashs – voller Ironie umarmt, sondern neuerdings auch kulturkritisch umorgelt. Angeblich stecke eine Menge allegorisches Potenzial in den torkelnden, gehirnfressenden, zerlumpten Untoten: als Kommentar zum Aufstand der Massen, zur Schwarmintelligenz oder natürlich als Erzählung über den Zustand des Kapitalismus, in dem sich der Mensch auf verlorenem Posten befindet und auf niedrigste Überlebensinstinkte zurückfällt. 

Nun ist es nicht ganz falsch, die französische TV-Serie The Returned gleichfalls ins Zombiegenre einzuordnen. Sie erzählt allerdings nicht von einer grunzenden Leichenmasse, die sich aus der Gruft erhebt, sondern von einer individuellen Auferstehung. Wie jener der 15-jährigen Camille. Vor vier Jahren verunglückte ihr Schulbus auf einer Bergstraße, nun steht Camille plötzlich wieder in der Küche ihres Elternhauses und schmiert sich ein Sandwich, als sei nichts geschehen. Ihre Mutter hatte jahrelang gebetet, dass ihre tote Tochter zurückkommt. Sie ist zurückgekommen. 

Mit ihr erscheinen plötzlich noch vier weitere Untote in diesem namenlosen, diesigen Bergstädtchen. Darunter der Musiker Simon, am Tag seiner Hochzeit verstorben, der seine Verlobte sucht. Der Junge Victor, von Einbrechern erschossen, zieht bei einer Ärztin ein. Es ist das Verstörendste, das Tragische und Beste an diesen acht, in bleierner Geduld erzählten Folgen, die man seit wenigen Tagen exklusiv auf dem Filmportal Watchever anschauen kann: Die Toten kehren heim, nicht als faulige Monster, sondern als die, die sie waren und beanspruchen den Platz in der Gemeinschaft, den sie einst besaßen. 

Schwerer Schleier der Melancholie

Sie treffen auf eine zutiefst traumatisierte Gemeinschaft, bevölkert mit Versehrten und von Trauer verwundeten, zornigen, ohnmächtigen Gestalten. Leute, die ein Brautkleid aufheben, das sie niemals getragen haben, die ein Kinderzimmer konservieren, wie es zuletzt verlassen wurde. Leute, die in eine Duldungsstarre verfallen sind oder sich anderweitig emotional verpanzert haben. Die Trauer und ihre Bewältigung, die diese gespenstische, auf mehreren Erzählbahnen mäandernde Serie größtenteils zeigt, findet sich nicht bloß in den Köpfen und Beziehungen der Figuren; sie findet sich auch in der Ästhetik der blaugrau verwischten Bilder, dem Schleier der Melancholie, der über der Kleinstadt liegt und sich nie lüftet. Unter ihm ereignen sich nach und nach Dinge, die sich mit Normalvernunft nicht mehr erklären lassen: Manche Bewohner entdecken plötzlich seltsame Narben an sich, der Pegel des städtischen Stausees sinkt immer weiter, in seinem Wasser treiben die Leichen verendeter Tiere.

Vielleicht hat es der Regisseur Fabrice Gobert zuweilen mit dem Außerweltlichen, dem Übernatürlichen seines ansonsten hochintelligenten Plots etwas übertrieben. Das ändert jedoch nichts an der Binnenspannung, die der fortwährende soziale Zusammenstoß zwischen den Lebenden und den Toten hervorruft. Er birgt die Erkenntnis, dass Zeit unwiederbringlich ist. Die Zurückgekehrten stehen wie Fremde vor ihren ehemaligen Leben, das so erloschen ist, wie sie es eigentlich selbst sein müssten. Darin besteht der eigentliche subtile Grusel von The Returned: Es ist der Horror der Innerlichkeit, des Verlustes und womöglich der Einsicht, dass Zombies auch nur Menschen sind.