Mit der ihm eigenen Leichtigkeit lässt Ozon das meiste jedoch in der Schwebe. Zu den 1960er-Jahre-Liedern der französischen Sängerin Françoise Hardy dürfen wir nur beobachten, was passiert. Zu verstehen brauchen wir es nicht.

Ozons Isabelle ähnelt darin der kleinkriminellen Teenie-Clique, die Sofia Coppola in ihrem Film The Bling Ring zeigte. Beide Filmen liefen dieses Jahr im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes und stellten die Frage, was Jugendliche wohl umtreibt. In beiden bleibt das letztlich unklar. Es sei denn, es ist so entsetzlich banal, wie die Bilder nahelegen.

Immerhin: Wie The Bling Ring rüttelt Jung und Schön die Erinnerung daran wach, dass Pubertät auch eine sehr bittere Zeit ist: voller Sorgen um das Bild, das man abgibt. Immer auf der Suche nach etwas, das anders sein soll als die Frühstücksflocken am Morgen und die elterlichen Nachfragen zur vergangenen Nacht. Nach etwas, das verdammt noch mal anders ist als die vergangene Nacht! Alle raunen, dass die Jugend eine wilde Zeit sei. Nur: Wann wird es denn endlich wild?



Bei Ozon wird in der Krise die Schwermut geboren. Seine Isabelle rezitiert Arthur Rimbaud und trifft in einer kurzen Begegnung mit einer alten Frau (Charlotte Rampling) auf eine Vision ihres künftigen Ichs, das von sich selbst sagt: "Ich war schon immer melancholisch."

Ozon betont, dass aus seinem Film keine Moral zu ziehen sei. Er verurteilt den jungen Menschen, den er zeigt, nicht für das, was er da tut. Eine Lehre gibt er dem Zuschauer dennoch mit: Das Schwierigste im Umgang von Erwachsenen mit Jugendlichen ist wohl, zu akzeptieren, dass man den anderen nicht versteht.