TV-Kritik im Sekundentakt: Oft sind die Kommentare auf dem sogenannten Second Screen viel unterhaltsamer als das, was auf dem Fernsehbildschirm zu sehen ist. Die Twittritik auf ZEIT ONLINE erklärt, was die Zuschauer wirklich beschäftigt.

Der Tatort ist auch nicht mehr das, was er mal vorgab zu sein. Til Schweiger darf darin Nick Nolte spielen, Devid Striesow einen infantilen Freak und auch sonst geraten die einst gravitätischen Kriminalbeamten zusehends zu Witzfiguren. Und ermitteln dann zuweilen gar ohne Fortsetzung. Wie das neueste Team zum Beispiel.

Das ist zwar längst nicht so jung wie die Nachwuchskollegen aus Erfurt; dank Nora Tschirner, Christian Ulmen und der secondscreenkompatiblen Palina Rojonski als Episodensexbombe dafür ungleich lässiger.

Und weil das überalterte Erste mittlerweile doch noch vom Sog solcher Gesichter in der umschwänzelten Zielgruppe unter 75 gehört hat, verspricht es mittlerweile sogar eine Fortsetzung. Wir werden Tschirner/Ulmen als Kommissare Dorn/Lessing also wiedersehen. Zumal sich ihre arg gewalttätige Anfangssequenz als Übung erwiesen hat, die zunächst verteufelt an den Ballermann-Tatort Hamburg erinnerte.

Aber es wird ja eine Komödie – wurde uns wenigstens angekündigt, wenngleich der, äh, "Humor" erstmal ins Vorabendhafte entgleitet.

Aber dann wird es aus mehrheitlicher Sicht des Second Screen doch so lustig, dass Nora Tschirner, wie ihr das Drehbuch vorschreibt, fast die Fruchtblase platzt. Wobei sich natürlich die Frage stellt, ob die auch im echten Leben so prall gefüllt ist.

Aaaaber:

Und ist sogar Mutter eines Jungen. Oder Mädchens. Also definitiv Kindes. Tschirner hält es ja nicht so mit der Öffentlichkeitsarbeit. Doch es geht bei diesem Tatort-"Event" um etwas anderes: Die Frage des deutschen Humors, wie viel Krimi er verträgt. Und umgekehrt.

Oder wahlweise: Wie viel Tatort verträgt der Tatort angesichts der Tatsache, dass in diesem ständig wortwörtlich von ihm die Rede ist und selbst der Soundtrack den Titelsong variiert?

Und vor allem: weniger Berechenbarkeit in den Besetzungslisten. Denn die Hauptverdächtige a)

Und auch der Hauptverdächtiger b) erfüllen die

Ergo:

Wobei Mörder auch nach gut der Hälfte dieses Tatorts ein vager Begriff ist. Bislang dato fehlt dieser Ausgabe schließlich irgendwas Essenzielles.