Ein Rückblick aufs TV-Jahr heißt immer auch Abschied nehmen. In diesem etwa sind Elmar Gunsch gestorben, Eddi Arent, Chris Howland und Otto Sander. Sie alle gehören einer Fernsehepoche an, in der die Glotze noch jenes Lagerfeuer im Wohnzimmer entfachte, das Markus Lanz heute auf Campingkochergröße gedimmt hat.

Als Katja Riemann im NDR-Magazin DAS! erfuhr, dass ihre gute Freundin, die Schauspielerin Rosemarie Fendel, gestorben war, demonstrierte der Moderator Hinnerk Baumgarten, was sein Medium oft so unerträglich macht. Nach einem kurzen Kondolenzblick fragte er die entsetzte Schauspielerin allen Ernstes nach ihren blonden Locken. Es war einer der meistdiskutierten Fernsehmomente eines Jahres, das an bedeutsamen Augenblicken keinen Mangel hatte.

Da war die Papst-Wahl, der am sinistren 13.03.13 gut 6.000 Reporter beiwohnten, und von der etwa ein Dutzend deutscher Sender parallel dasselbe zeigten. Da war eine Bundestagswahl, die im TV-Duell Stefan Raabs Debüt als, nun ja, Journalist erlebte. Da war natürlich das Wetter, dem die ARD satte elf Hochwasser-Brennpunkte widmete plus sechs weitere mit Sturmböen. Und weil derart windige Sondersendungen die politischen ums Doppelte übertrafen, sei nochmals aufs Livegerangel zweier Alphatierchen verwiesen. Was das Odd-Couple Slomka/Gabriel kürzlich zum SPD-Mitgliederentscheid im heute-journal zeigte, war ganz großes Entertainment.

Womit wir beim Kern des Mediums wären. Denn womit es zu unterhalten versuchte, war mal unter aller Sau, mal haltungslos, oft beides. Hier auf RTL zu zeigen, ist wohlfeil, aber nötig. Der Exmarktführer lancierte 2013 genau eine Sendung, die länger im Kopf blieb als der Alkohol, um den Rest zu ertragen. Die 2 mit Günther Jauch und Thomas Gottschalk waren zwar weder kreativ noch neu, doch im (Quiz-)Team sind die beiden immer noch ein Erlebnis. Erlebnisreicher jedenfalls als Promisausen wie Shooting Stars, der dauernde Actionquatsch von Mantrailer bis Medcrimes oder Serien à la Sekretärinnen, zu schweigen vom Katastrophenfilm Helden. Am Tag der Deutschen Einheit stopft ein Ensemble aus Hannes Jaenicke, Armin Rohde und Yvonne Catterfeld ein vom Teilchenbeschleuniger verursachtes schwarzes Loch unter Deutschland.

Hätten sie versagt, die ARD hätte einfach Til Schweiger als Nick Tschiller geschickt. Von den 73 Leichen, die 2013 insgesamt 43 neue Tatorte pflasterten, gehen allein sechs auf sein Konto. Resultat: miese Kritik, Superquoten. Ähnlich wie der Saarbrücker Devid Striesow und das quantitativ jüngste, qualitativ uralte Team aus Erfurt. Abgesehen vom lustigen Einstand von Nora Tschirner und Christian Ulmen am zweiten Weihnachtsfeiertag bürgt selbst ein Label wie Tatort längst nicht mehr für Qualität.

Was indes kein Naturgesetz ist. Gerade der ARD-Mittwochsfilm zeigt häufig, was gebührenfinanziert geht. Ob es Klaus Maria Brandauers furioser Alzheimerpatient in Die Auslöschung war oder Matthias Brandt als Oberst Klein in Eine mörderische Entscheidung. Ob es der ebenfalls 2013 verstorbene Dieter Pfaff als Bloch war oder Lars Eidinger, der neben einem Transvestiten im Münchner Polizeiruf auch in Alltagsstudien wie Grenzgang oder Du bist dran für stille Brillanz sorgte.