Er war der Erste. Der erste deutschsprachige Schauspieler, der nach dem Zweiten Weltkrieg einen Oscar als bester Hauptdarsteller gewann. Und das ausgerechnet für seine Rolle in einem Film, der sich mit den Verbrechen der Deutschen während des Nationalsozialismus beschäftige: Stanley Kramers Gerichtsdrama Das Urteil von Nürnberg von 1961. Der blendend aussehende Schell spielt darin einen Verteidiger, der sich als jugendlicher Idealist zwischen versteinerten alten Männern behauptet und im Schlussplädoyer mit wehender Haartolle das Maß der Verstrickung zu relativieren versucht: "Deutschland allein ist nicht schuldig." Zum Staraufgebot des Films gehörten Spencer Tracy, Burt Lancaster, Richard Widmark und Montgomery Clift.

Der Oscar jedoch ging an Maximilian Schell, er legte den Grundstock zu seiner Hollywood-Karriere.

Die Vergangenheit zum Sprechen bringen, war eine der Spezialitäten von Maximilian Schell, der nicht nur als Schauspieler und Moderator, sondern auch als Opernregisseur, Produzent, Autor und Filmemacher arbeitete. Besonders seine Dokumentationen lagen ihm am Herzen. Er war der Einzige, der es geschafft hat, die extrem zurückgezogen in Paris lebende Marlene Dietrich 1984 zu Interviews zu überreden. Kennengelernt hatten die beiden sich bei den Dreharbeiten zu Das Urteil von Nürnberg.

Einen noch intimeren, anrührenden Film hat Maximilian Schell 2003 seiner 2005 verstorbenen, vier Jahren älteren Schwester Maria Schell gewidmet. Meine Schwester Maria zeigt, wie der inzwischen demente ehemalige Filmstar auf einer Alm in Kärnten sitzt und milde lächelnd im Fernsehen ihre Kinoerfolge der Nachkriegsjahre anschaut – ganz offensichtlich schon Bewohnerin einer ganz anderen Welt.

Kritik an der Bush-Regierung

Der weltabgeschiedene Berghof in Kärnten war der von Maximilian Schell. Hier verbrachte er auch seine Kindheit. "Die Alm ist einer meiner Ankerpunkte", sagte er einmal. "Hier spüre ich die Verbindung zur Familie. Das ist etwas, das bleibt." Von hier aus pendelte er viele Jahre regelmäßig nach Los Angeles, seinem zweiten Wohnsitz. Die Verbindung in die USA hat er in der Zeit der Bush-Regierung gekappt. "Es war nicht mehr das freie und kreative Land, das ich kannte." Trotzdem hatte er weiter viele Kontakte nach Hollywood. Schell ist einer der Taufpaten von Angelina Jolie. Ihr Vater Jon Voight spielte 1975 in Schells Dürrenmatt-Verfilmung Der Richter und sein Henker eine Hauptrolle. Der Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt wiederum war einer von Schells engsten Freunden.

Geboren wurde Maximilian Schell am 8. Dezember 1930 in Wien, wuchs aber in der Schweiz auf. Sein Vater war der Schweizer Schriftsteller Hermann Ferdinand Schell, seine Mutter die österreichische Schauspielerin Margarete Noé von Nordberg. Alle vier Kinder ergriffen den Schauspielberuf. Maximilian Schell nicht, ohne vorher Kunst- und Literaturgeschichte, Germanistik und Theaterwissenschaft studiert zu haben. "Ich bin kein Erfolgsmensch und kein Bühnenmensch. Ich bin Student und das bleibt auch so", hat er noch im Jahr 2008 gesagt. Er debütierte 1952 am Basler Stadttheater, landete dann an den Münchner Kammerspielen und wurde von Gustav Gründgens ans Hamburger Schauspielhaus geholt. Dort spielte er 1963 den Hamlet in Gründgens' legendärer Abschiedsinszenierung.