Unter den populären Genres hat Science Fiction besonders ausgeprägte Züge der Gesellschaftssatire. Die Zukunftsmusik erfüllt die Funktion des social commentary. Dass amerikanische Sicherheitstechnologie in internationalen Krisengebieten für den Heimatschutz getestet wird, ist eine Pointe, die längst von der Realität eingeholt wurde. Im Jahr 2028 darf die Fernsehnation aber live dabei sein.

José Padilhas Remake des 1980er-Jahre-Klassikers Robocop beginnt mit einer TV-Schalte in einen afghanischen Einsatzort. Die amerikanische Friedensmission ist gescheitert, eine Roboterarmee patrouilliert durch die Straßen. Als eine Gruppe Selbstmordattentäter vor laufender Kamera die Patrouille angreift, schaltet der Sender von den Kampfhandlungen zurück ins Studio, wo ein aufwendig frisierter Samuel L. Jackson sein Fernsehpublikum in Manier eines Bill O’Reilly anbrüllt, den Widerstand gegen automatisierte Polizeikohorten aufzugeben. Auch Amerikas Straßen müssen wieder sicher werden.

Dieser schrille Seitenhieb auf die Medien ist als Hommage an Paul Verhoevens Original aus dem Jahr 1987 zu verstehen, das damals als Science Fiction vermarktet wurde. Knapp dreißig Jahre später enthält Robocop noch immer Spurenelemente des Fantastischen, aber die Dystopie ist erschreckend nah an die Realität herangerückt. Um dem US-Kongress seine Roboterarmee für den Einsatz gegen die wachsende innerstädtische Kriminalität schmackhaft zu machen, hat der Rüstungskonzern OmniCorp eine neue Technologie entwickelt, in der menschliches Bewusstsein und maschinelle Unfehlbarkeit verschmelzen. Was fehlt, ist ein Versuchskaninchen, das mental und körperlich stabil genug ist, dieser Belastung standzuhalten. 

Neue Benutzeroberfläche des Spektakels

Padilhas kompetentes Hollywood-Debüt erweist sich auch in technischer Hinsicht als überaus zeitgemäß. Ohnehin handelt es sich bei allen jüngeren Remakes von Science-Fiction-Blockbustern aus der analogen Kino-Ära (Tron, Total Recall, Star Trek, Alien) eher um technische Updates. Die Benutzeroberfläche des Spektakelkinos muss neuesten Standards entsprechen, damit der Markenkern ästhetisch nicht desavouiert wird.

Robocop war der einzige Film in Verhoevens Totalitarismus-Trilogie (inklusive Total Recall und Starship Troopers), dem selbst eine gewisse Warenförmigkeit anhaftete. Die Produktpalette reichte damals von Sequels über eine Fernsehserie bis hin zu Actionfiguren. Verhoeven provozierte gern mit solch kalkulierten Ambivalenzen, die Kritik an einer gewissen amerikanischen Wesensart war mit der populistischen Ästhetik seines Actionkinos identisch.

Vor diesem Hintergrund erweist sich der brasilianische Regisseur José Padilha als ausgezeichnete Wahl für ein Reboot. Sein preisgekrönter Polizeifilm Tropa de Elite (unter anderem ausgezeichnet mit dem Goldenen Bären) bedient sich ebenfalls einer Ästhetik, in der Aktion und Reaktion gewalttätiger Kräfte kaum voneinander zu unterscheiden sind. Diese Dynamik ist angesichts der technischen Voraussetzungen des digitalen Blockbusterkinos, in dem bedingungslose Geschwindigkeit das erzählerische Paradigma der Raum/Zeit-Einheit weitgehend abgelöst hat, wohl unumstößlich geworden. Und sie könnte vor dem Hintergrund einer gesellschaftlichen Utopie auch leicht Law-and-Order-Fantasien bedienen.