Und morgen Mittag bin ich tot – der Titel von Frederik Steiners Film ist ein spannender Auftrag an seine Geschichte: Wie gestaltet eine 22-Jährige die letzten Stunden ihres Lebens? 

Lea, gespielt von Liv Lisa Fries, ist auf dem Weg nach Zürich. Frech lehnt sie sich aus dem Autofenster und erklärt dem Grenzbeamten, sie sei Extremsportlerin und wolle deshalb in die Schweiz. Doch aus ihrer Nase hängen Beatmungsschläuche. Ihr Atem geht schwer, den ganzen Film über wird man ihn hören. Lea leidet an Mukoviszidose, ihre Lunge ist zu stark geschädigt, als dass ihr eine Operation noch helfen könnte. Sie will den unausweichlichen, qualvollen Tod durch Ersticken verhindern und an ihrem Geburtstag mit professioneller Hilfe sterben.    

66 Prozent der Deutschen wollen laut einer YouGov-Umfrage, dass aktive Sterbehilfe auch in Deutschland erlaubt sein soll, passive Sterbehilfe befürworten 72 Prozent. In Belgien ist gerade die Sterbehilfe für Kinder erlaubt worden.

Steiners Film zeigt, was es für einen von einer schweren Krankheit betroffenen Menschen bedeuten kann, selbstbestimmt und würdevoll zu sterben, sich nicht den Maschinen, den Schmerzen auszuliefern. Auch nicht den Verwandten, die sich einmischen und verpflichtet fühlen.

Und morgen Mittag bin ich tot istein anrührender Film. Seine stärksten Szenen hat er, wenn er zeigt, wie das Leid den Rest der Familie aus dem Gleichgewicht bringt. Leas Verwandte können mit ihrer Entscheidung nicht umgehen, die Mutter (Lena Stolze) kann nicht akzeptieren, dass sie ihrer Tochter beim Sterben zusehen soll. 

Schön ist es, wenn Leas Lebenslust noch einmal kurz hervorbricht. Zum Beispiel als sie mit einem Jungen, der ebenfalls am liebsten sterben würde, über den Zürichsee fährt. Eine stille, romantische Szene. 

Und doch bleibt ein schales Gefühl. Es geht einfach alles ein bisschen zu glatt auf Leas Weg zum Tod. Bis zuletzt hört man von der zarten, hübschen jungen Frau kein Klagen. Bis zuletzt reißt sie Witze: "Mein letztes Schnitzel, meine letzte Bootsfahrt, nie wieder Treppensteigen, nie wieder Liebeskummer."

Einfühlsam und extrem korrekt ist die professionelle Helferin; der gehetzte Ex-Freund lässt alle Termine sausen und verbringt die letzten Stunden bei Lea; und sogar die Mutter schließt am Ende lächelnd Frieden mit dem Willen ihrer Tochter.    

Alles geschieht zum scheinbar richtigen Zeitpunkt. Die Kranke konfrontiert die, die sie lieben, möglichst wenig mit ihrer Verzweiflung. Sind Würde und Selbstbestimmung wirklich daran gekoppelt, dass sich eine Kranke "rechtzeitig" tötet? Und warum wird eine Hilfe der Palliativmedizin nicht wenigstens erwogen? 

So könnte Und morgen Mittag bin ich tot fast schon als Werbefilm für die Sterbehilfe gesehen werden. Das Thema hätte eine individuellere, brüchigere Geschichte verdient.