Ich glotz TV – der Name unserer Kolumne ist Programm. Unsere Autoren schalten sich ein. Und verraten, welche Phänomene sie im deutschen Fernsehen entdecken.

Wir kennen alle einen Ted Mosby, diesen eigentlich ganz süßen Kerl, kein Schönling, aber eben mit so einer Art von Äußerem versehen, dass sich jeder in ihn verlieben könnte, aber natürlich nicht sofort muss. Ted ist eine Option, aber eben kein Zwang. Dieser Ted Mosby, das sind wir, auf irgendeine Art. Ted Mosby zu sein, heißt an die große Liebe zu glauben. Ted Mosby zu sein, heißt Romantiker zu bleiben, auch wenn man am Altar verlassen wird.  Gestern lief in Amerika die letzte Folge der Sitcom How I Met Your Mother. Und in Deutschland läuft gerade die letzte Staffel auf Pro7 an.

 

Neun Jahre haben wir diesem Ted Mosby und seinen Freunden Robin, Marshall, Lily und Barney bei dem zugeschaut, was wir Leben nennen. In New York. Von kurz nach dem Studium bis zum dritten Kind, von der ersten großen Liebe bis zur verstorbenen Frau.

"Ich liebe dich" beim zweiten Date!

Wenn wir in Berlin, München oder London leben, dann war uns New York so nah. Weil mittlerweile jede Großstadt gleich funktioniert. Alle meinen, die Mieten steigen, die Generation zwischen 25 und 35 fährt dreimal die Nacht von Club zu Club mit dem Taxi. Wirklich jeder trägt jetzt furchtbare Sneaker zu durchschnittlichen Boss Orange Anzügen. Einer arbeitet in einer Agentur, und der beste Freund hat es sich zum Ziel gemacht, mit 999 Frauen zu schlafen.

Wir müssen den Tisch in diesem Restaurant reservieren, lange im Voraus. Mit dreißig verdienen wir immer noch nicht genug und hoffen, als Architekt endlich den ersten unbefristeten Arbeitsvertrag zu bekommen. Am Ende wird es doch der Vertrag über drei Projekte. Wir versuchen uns als Reporter durchzuschlagen, wie Robin, machen uns über uns selbst lustig, weil es nun mal kein großer Journalismus ist, von der Eröffnung von Berlins erstem Schokoladendöner zu berichten, sondern trivialer Mist. Ein anderer Freund will Anwalt bei dieser Umweltorganisation werden und nimmt am Ende den Job bei Halliburton an, und lässt Beweise zur Katastrophe von Deepwater Horizon verschwinden. Und die, die nicht in Berlin wohnen, nicht in London, nicht in irgendeiner Großstadt, die denken, so fühlt sich das also wirklich an. Und sie träumen von nächtlichen U-Bahn-Fahrten und langen Küssen auf den Dächern über den Lichtern der Großstadt.

Ted Mosbys größter Fehler ist, dass er zu ehrlich ist, sich von seinen Gefühlen überrumpeln lässt. Beim zweiten Treffen "Ich liebe dich!" zu sagen, wird bei den wenigsten Begegnungen zu großem Erfolg führen. Und doch ist es die einzig wahre Lösung. Mosby beschwört die absolute Hingabe. Wo andere halbherzig die obligatorischen drei Dates abwarten, wirft sich Ted in alles rein. Mit Herz, meist mit wenig Kopf, und alles für die eine Frau. Ted Mosby ist der letzte Romantiker. Er, der abgeklärte Architekt, der im Beruf an Statik glaubt, glaubt in der Liebe an das Übernatürliche. Dazu gehören die Oliven-Theorie (ein Partner muss Oliven lieben, der andere muss sie hassen) und der Glaube, dass seine zukünftige Frau Bass spielen müsse, und so weiter.