Ich glotz TV – der Name unserer Kolumne ist Programm. Unsere Autoren schalten sich ein. Und verraten von Montag bis Freitag, welche Phänomene sie im deutschen Fernsehen entdecken.

Sollte man sich über die Liebe öffentlich äußern? Oha. Schlechter Stil. Darauf fokussiert sich die RTL-Serie Der Bachelor, in der aus 22 liebeswilligen Mädels die eine ausgesiebt wurde, die des Junggesellen Herz erwärmt. Sein Name ist Christian, seine Figur ist perfekt, die Nägel sind manikürt, die Frisur – polierte Glatze. Sehr maskulin, und hübsch dazu: der kratzige Zweitagebart. 

Während also Christian durch Serie und Mädchenschar flanierte (ihre Figuren perfekt, die Nägel manikürt, die Haare – blond, blond, blond), bin ich seine beste Freundin geworden. Er blickte mich mit seinen blauen Augen an und verriet alles, was er sich so denkt, über Susi, Katja, Angelina, Susi wie Strolch, Angelina wie Engel. Und Katja? Tja, hat schon ein Kind. Aber – tolle Frau! Deshalb auch in der Endrunde. Eine ganz wunderbare Frau. Auch Susi natürlich. Oder Angelina. Ist so offen. Wählen heißt sich quälen (Kompliment an die Casting-Crew!).

Seit Jane Austen ist öffentlich, dass ein Mann im besten Alter, aus bester Familie, ein Herr mit Besitz – eine Frau braucht. Nicht erst seit Jane Austen erfordert es eine gesamtgesellschaftliche Anstrengung, ihn unter die Haube zu bringen. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat zum Serien-Finale auf ihren Wirtschaftsseiten ein freundliches Firmenporträt veröffentlicht, man sah Christian und seinen Bruder mit diesem Relax-Drink, den sie erfunden haben (Red Bull wird schäumen) und vermarkten, in sanft kurvigen silbrigen Flaschen, die auch mal in der ein oder anderen Einstellung im Hintergrund aufblitzten. Eine hübscher als die andere, fast ununterscheidbar, wie die silbrig-blonden Mädels, die es bis in die Endrunde geschafft haben.

Rose vor dem Tafelberg oder ab in die Wüste

Merkte man aber kaum. Die Szenerie war zu überwältigend, mithilfe der Tourismusbranche von Südafrika toste das Meer vor Tafelberg, als die Mädels anrückten, um sich von Christian eine Rose abzuholen, als Zeichen seiner Zuneigung – oder um in die Wüste geschickt zu werden, die in Afrika ja auch nie weit ist.

Mithilfe noch anderer Länder hatte sich in vorherigen Folgen ergeben, dass das eine "Dreamdate" unter Kamelen spielen konnte, ein anderes im Eis von Lappland. Ein Date fand auf einer schwarzblinkenden Yacht im blaublitzenden Meer statt, es hätte Liz Taylor die Neidtränen in die Augen getrieben. 

Der Sound? Oh wie geil, wie cool. Kann man es toppen? Der Hammer! Noch nie so romantisch. Sehr, sehr, sehr romantisch. Dieser Tag ist perfekt. Wie 1001 Nacht. Atemberaubend. Abblende, dann: Wir machten miteinander, was wir machen wollten … Als wären wir schon immer zusammen und es gäbe keine anderen Frauen mehr.

Es gibt aber immer andere Frauen. Weshalb es verfehlt wäre, der Serie mangelnden Realismus vorzuwerfen. Im Gegenteil. Wie oft verweilt die Kamera auf den im Schmerz zuckenden Lippen, den sich mit Tränen füllenden Augen, den in banger Vorahnung erstarrenden Zügen.