Ich glotz TV - der Name unserer Kolumne ist Programm. Unsere Autoren schalten sich ein. Und verraten von Montag bis Freitag, welche Phänomene sie im deutschen Fernsehen entdecken.

Es gibt bekanntlich etwa 14.963 Gründe, um traurig zu sein, untröstlich und einsam. Und deswegen hat irgendwer irgendwann beschlossen, dass fortan überall Gelächter sein soll, hinter jedem Satz, hinter jedem Wort, die ganze Zeit gute Laune. Kurzum: So kam die Sitcom in die Welt.

Mit ihr kam der Blick in Mittelstandswohnzimmer, in Mittelstandsgesichter, in Mittelstandsleben, wo die Lustigkeit hereingebrochen ist wie eine Naturgewalt. Eine halbe Stunde Lachzwang. Das geht mal gut, mal weniger.

Der weltweit beliebteste Vertreter dieses Genres nennt sich Two and a Half Men, elf Staffeln, gesendet in 40 Ländern, in Deutschland läuft die Serie im Rahmen des sogenannten Comedy Dienstags (Pro7) und man muss nicht mal Peter Hahne sein, um so ein abendfüllendes Scherzstahlbad als Drohung zu empfinden. 

Wer Two and a Half Men nicht kennt: In den ersten acht Staffeln lebt der wehleidige, reiche Schwerenöter Charlie (Charlie Sheen) mit seinem Bruder Alan, einem wehleidigen Scheidungsverlierer, obendrein dauerpleite, in einer Strandvilla in Malibu. Es gibt eine dicke Haushälterin, es gibt Alans herumpubertierenden Sohn und es gibt wechselnde Frauenbekanntschaften. 

In den späteren Staffeln wird Charlie durch Walden (Ashton Kutcher) ersetzt, einen gutaussehenden Internetmilliardär, das Konzept bleibt aber dasselbe: eine Dauerwerbesendung für die Vorstellung, dass Männer im Kern höhlengereifte Mängelwesen sind, und deshalb geht es selbstredend andauernd um Geschlechtsteile (männlich/weiblich), Suff, Vögeln und wenn Frauen auftauchen, sind sie entweder schön, gestört oder beides. Es geht, kurz gesagt, ums Untenrum in allen Variationen.   

Zu all dem tosen die generischen Lacher vom Band. Während es bei Serien wie Alf noch nach Lautstärke abgestuftes Gelächter das Geschehen kommentierte, ist hier alles ein Riesenbrüller: Alans Feinrippunterhosen, die dicke Haushälterin auf dem Klo, eine App namens "Kackster" oder der Brunftschrei "Jodiladi-Muschi". Alles ist gleich zum Grölen, alles ist gleich zum Schämen, alles, könnte man sagen, ist gleich debil. "Herrlich politisch unkorrekt" heißt sowas dann in gehobener TV-Movie-Prosa.

Das Prinzip von Two and a Half Men ähnelt dem eines permanenten Junggesellenabschieds, und in beiden Fällen empfiehlt es sich, am besten nicht in der Nähe zu sein. Dabei den Sexismus zu beklagen, wäre zwar ehrenwert, aber so sinnlos, wie in der Uckermark Bäume anzubrüllen wegen des allgemeinen Zustands der Welt.