TV-Kritik im Sekundentakt: Oft sind die Kommentare auf dem sogenannten Second Screen viel unterhaltsamer als das, was auf dem Fernsehbildschirm zu sehen ist. Die Twittritik auf ZEIT ONLINE erklärt, was die Zuschauer wirklich beschäftigt.

Manchmal sagen raspelkurze Sätze mehr als die dicksten Knalleffekte. Denn die sind so oft so selbstverliebt und künstlich, dass es echter Menschen bedarf, um den Aberwitz einer Gefahrenlage zu erden. Manchmal braucht es also dringend einen ...

Kopfgeld, der zweite Hamburger Tatort seit der Neubesetzung, ist weniger Kriminalfall als Kriegsberichterstattung. Zwei brutale Verbrecherbanden dreschen unter tatkräftiger Mithilfe der örtlichen Staatsmacht so blutig aufeinander ein, dass sich die Zahl der Leichen im Finale nach schwierigen, aber seriösen Zählungen auf 19 einpendelt.

Dazwischen, als ruhender Pol im Gemetzel, als Medium zwischen rechtsbeugender Polizei und rechtsverachtenden Clans: Hauptkommissar Yalcin Gümer, dem Allerbesten, was wohl jemals einem Tatort passiert ist.

Yardim ist die Antithese zu allem, was Actionkrimis sonst prägt. Groß geworden ist er genau dort, wo er jetzt spielt, auf den Straßen Hamburgs nämlich, den wahrhaft rauen, wilden, schmutzigen. Wenn seine Tatort-Kollegen schwerverletzt die sportlichsten Stunts vollführen und im Sperrfeuer aufs Böse sogar noch lockere Sprüche abfeuern, liefert Yardim authentische Bullenarbeit.

Von den typischen Digger-Rollen des Genres hat Yardim seit seinem Durchbruch mit der Culture-Clash-Komödie Kebab Connection 2005 nur wenige gespielt. "Leider", wie er findet, "denn Yalcin geht mir gut von der Seele." Seine Schauspielausbildung war schließlich das Leben in Hamburg – auch wenn das Drehbuch von Kopfgeld davon seine eigene Vorstellung hat.