Es gab Zeiten, da waren tote Kinder am Bildschirm eine Seltenheit. Deshalb war Gerd Fröbe jahrelang für nette Rollen schier unbesetzbar, seit ihn Heinz Rühmann anno '58 als Kindsmörder überführt hatte. Deshalb rangierte Fröbes reales Pendant Jürgen Bartsch auf der Rangliste der meistgehassten Männer bald darauf gleich hinter Hitler. So dauerte es bis tief in die Phase aufgelöster Familienstrukturen, bis Kinderleichen den Krimi durchzogen wie Farbe das Schwarzweißfernsehen. Wie sollte da jene Gewöhnung ans Schrecklichste entstehen, die heute herrscht. Wenn es die Kölner Kommissare Ballauf und Schenk diesmal erneut mit blutjungen Opfern zu tun haben, lockt das kaum noch Twitterer hinterm Ofen hervor.


Es herrscht also eher Zynismus als echte Anteilnahme. Selbst wenn es gleich drei Schutzbefohlene trifft und die dann auch noch allesamt aufs Übelste zugerichtet sind.

Aber offenbar dämmert es den ARD-Autoren ja langsam, dass immer krassere Morde an immer hilfloseren Opfern zur Abstumpfung führen könnten. Jedenfalls wäre das mal eine gute Erklärung dafür, dass der Tatort den dramaturgischen Fokus zusehends auf Nebenschauplätze legt. Da wäre im aktuellen Kölner Fall Reinhardt der neue Assistent. Er heißt im echten Leben Patrick Abozen, im falschen Tobias Reisser und ist wirklich mal eine Abwechslung.

Typ Dienstbote: zuvorkommend und eifrig, kompetent, aber nie aufdringlich. Eine gute Hilfe im Morddezernat, sollte man meinen. Allerdings ist der Neuling bloß ein zwischenzeitliches Surrogat der unersetzlichen Franziska, die es im vorigen Fall von Freddy Schenk und Max Ballauf jugendgefährdend dahingerafft hat.

Der Kölner Tatort bastelt sich wie der Münchner also womöglich bloß eine Art Inhalts-Sidekick in Form der penetranten Suche nach passendem Ergänzungspersonal.