Folge um Folge kommt man den Protagonisten näher, lernt ihre Sehnsüchte, Hoffnungen und Ängste kennen. "Das Vaterland braucht Dich doch nicht", sagt Karl Kollwitz etwa zu seinem Sohn Peter. "Meinen Jahrgang braucht es nicht, aber mich!", erwidert der 17-Jährige. Käthe Kollwitz, die bedeutende Bildhauerin und Sozialdemokratin, versucht zu vermitteln. "Wir haben den Jungen erzogen, dass er selber frei entscheiden könne", sagt Kollwitz zu ihrem Mann. Der schreit, sein Sohn solle kein braver preußischer Soldat werden. Letztlich überredet Käthe Kollwitz, eigentlich Gegnerin des Kaisers, ihren Mann, den gemeinsamen Sohn in den Krieg ziehen zu lassen, obwohl er noch minderjährig ist. Wie so viele begeisterte Soldaten verspricht Peter, schon bald wieder zurück zu sein und Paris von seiner Mutter zu grüßen. Schon wenige Tage nach Kriegsbeginn fällt er beim deutschen Angriff auf das neutrale Belgien.

Nachgebaute Schützengräben, französische Dörfer, Kosakenlager – die Serie wurde aufwendig produziert. Dafür haben sich arte, das Erste, NDR, SWR, WDR und ORF zusammengeschlossen und weitere internationale Partner wie die BBC gewonnen. Der Historiker Oliver Janz, dessen Buch 14. Der Große Krieg zu den besten Neuerscheinungen dieses Jahres gehört, hat das Filmteam beraten. Experteninterviews oder Zeitzeugenschilderungen wie bei Guido Knopp kommen nicht zum Einsatz. Stattdessen berichten die Protagonisten selber.

Die Fakten stimmen, wenn auch manchmal stark verkürzt wird. So entsteht der Eindruck als ob Österreich-Ungarn nach der Ermordung seines Thronfolgers durch Attentäter in Sarajewo Deutschland mit in den Krieg hineingezogen hätte. Dabei wollten Kaiser Wilhelm II. und seine Militärs den großen Krieg. Sie drängten die Verbündeten in Wien zu einem harten Vorgehen gegen Serbien, dem Heimatland der Attentäter. Weil die Politik und die Diplomatie überall in Europa versagten, wurde der Krieg unausweichlich.

Viele einfache Soldaten folgten dem Aufruf nur widerwillig. Vor allem in Russland und Österreich wurden zahlreiche Männer in die Schlacht gezwungen. "Das Schwören hat den halben Tag gedauert", sagt Karl Kasser. In der österreichischen Armee mussten die Soldaten dem Kaiser ihre unbedingte Treue in fünf Sprachen versichern, weil so viele Nationen in der K.-u-K.-Armee dienten. "Und dann marschierten wir in voller Rüstung unserem Elend entgegen. Eiskalt überlief es uns wenn wir daran dachten, dass es bald ernst würde."

Verbrauch des Autors während der Sendung:  eine Handvoll Nüsse – bei den Lazarettbildern vergeht der Appetit
Verbrauch nach der Sendung: Ein Schluck Whiskey als Schlummertrunk nach einem langen TV-Kriegsabend