Digitalkamera, kleines Budget, eine geräumige Wohnung in Barcelona und acht junge Schauspieler aus fünf europäischen Ländern – aus diesen bescheidenen Zutaten bastelte der französische Regisseur Cédric Klapisch mit L’Auberge Espagnole – Barcelona für ein Jahr 2002 eine Studentenkomödie, die allein in Frankreich mehr als drei Millionen Zuschauer ins Kino zog. Die paneuropäische Chaos-WG feierte die eigene Orientierungslosigkeit als Zustand produktiver Verwirrung. Lebenssinnsuche, Finanznöte, Karriereplanung und natürlich das schwierige Paarungsverhalten geschlechtsreifer Erasmus-Studenten verquirlte Klapisch zu einem äußerst unterhaltsamen Generationsporträt.

In der Fortsetzung Wiedersehen in St.Petersburg (2005) fand das wilde Studentenleben zwar ein Ende, aber an der Orientierungslosigkeit der Figuren hatte sich wenig geändert.

Neun Jahre später folgt nun mit Beziehungsweise New York der mittlerweile dritte Teil der fiktiven Langzeitstudie. Die alten Freunde gehen auf die vierzig zu, haben beruflich Fuß gefasst, schaffen es aber auch im fortgeschrittenen Alter nicht, ein wenig Ruhe ins Liebes- und Privatleben zu bekommen. Als Wendy (Kelly Reilly) ihrem Ex Xavier (Romain Duris) eröffnet, dass sie mit den gemeinsamen Kindern von Paris nach New York zu ihrem neuen Geliebten ziehen wird, entschließt der sich ebenfalls zum Umzug nach Manhattan. Als Schriftsteller kann er auch dort arbeiten und verliert gleichzeitig seine Kinder nicht aus den Augen.

In New York ist ebenfalls Isabelle (Cécile de France) gelandet, die dort mit ihrer Freundin Ju (Sandrine Holt) zusammenlebt und ein Kind erwartet, für das Xavier den Samen geliefert hat. Das emotionale Chaos wird komplett, als seine Ex-Geliebte Martine (Audrey Tautou) ihren Besuch ankündigt und es in der engen Wohnung zu unverhofften Wiederannäherungen kommt.  

Beziehungweise New York ist ein rundum erfreuliches Wiedersehen mit vertrauten Charakteren. Anders als etwa in Richard Linklaters Before…-Langzeit-Serie überwiegt hier weniger die Beziehungsanalyse, als das freie Fluten der Gefühle.

Klapischs grundsympathische Figuren sind auch nach zwölf Jahren quicklebendig und fühlen sich gerade in ihrer Wankelmütigkeit immer noch sehr glaubwürdig an. Dabei besteht der Film auf einem sympathisierenden Blick, der einerseits die komischen Seiten der unsteten Lebensentwürfe, andererseits aber auch das Bemühen der Figuren zeigt, Gefühle authentisch auszuleben und immer wieder flexibel auf neue Situationen zu reagieren. So gelingt Beziehungsweise New York ganz nebenbei das Porträt einer kosmopolitischen Generation, für die die Globalisierung und das Gleiten zwischen den Kulturen zur  Selbstverständlichkeit geworden sind.

Klapisch hat angekündigt, dies sei wohl die letzte Folge seiner L'Auberge Espagnole-Serie. Das wäre schade, denn mit diesen Charakteren, würden wir gerne gemeinsam alt werden.