Ich glotz TV – der Name unserer Kolumne ist Programm. Unsere Autoren schalten sich ein. Und verraten, welche Phänomene sie im Fernsehen entdecken.

Ich sage Ihnen ein paar typische Geräusche, Sie raten die Serie, okay? Los geht's. Klirrende Schwerter, Pferdegetrappel, Frauenschreie und natürlich knarzender Schnee, schließlich kommt dauernd der Winter. Richtig, es ist Game of Thrones. Gerade ist in den USA die vierte Staffel des mittelalterlichen Schädelspiels angelaufen, hier läuft sie beim Bezahlsender Sky. Und spätestens die illegale Kopie werden dann wieder alle sehen. Wie schon die drei Staffeln zuvor. Ist ja auch herrlich anzuschauen, das Gemetzel.

Es sind simple Motive, verschlungen erzählt: Liebe, Verrat, Rache und immer wieder Macht. Sie ist es, die hier alle wollen, um die alle kämpfen. Das große Königreich ist zerfallen. Bis einer oder eine kommt, der/die ein neues schafft, prügeln sich alle um die Reste und raffen soviel davon, wie sie bekommen können. 

Dieser Kampf ist so herrlich mittelalterlich rüde und gleichzeitig so modern. Er stillt viele Sehnsüchte und kolportiert die Wut über die herrschenden Klassen, dass Millionen Zuschauer ihm fasziniert folgen.

Game of Thrones wird vor allem deshalb nie langweilig, weil immer die Verschlagenen siegen. Die Gutmeinenden, die helfen wollen, werden gemeuchelt. Genau wie die, die nur um der Grausamkeit willen morden. Gut und Böse? Das sind hier keine Kategorien.

Die Faszination für die Serie erinnert an einen Dialog aus einem Vietnamkriegsfilm von Stanley Kubrick. Die Hauptfigur wird dort gefragt, warum sie Born to kill auf ihrem Helm geschrieben hat, gleichzeitig aber an der Jacke einen Peace-Button trägt. "I think I was trying to suggest something about the duality of man, sir!" Wir sind eben beides, duale Wesen, Killer und Liebende. Game of Thrones bedient das perfekt, dort darf jede Figur alles sein.

Selbst Kinder dürfen hier schon Schwerter durch Kehlen hauen. Das macht viel her, ist aber immer nur Mittel zum Zweck. Intrigen, Ränke und Verschwörungen bilden das eigentliche Rückgrat der Serie. Es wird hintergangen, was das Zeug hält. Inzest, uneheliche Kinder, heimliche Verbindungen sind der Kitt der Dramen und bietet die Chance, die vielen Figuren in immer neue Konstellationen zu würfeln.

In der vierten Staffel geht es einfach so weiter: Das Land ist verwüstet, der Krieg ist vorbei, das Kämpfen und Sterben aber natürlich nicht. Es gibt neue Fronten, neue Feinde, neue Verbündete.

Die Zutaten sind dabei dieselben wie immer, aber die Figuren ändern sich ständig. Wer eben noch schön war, wird in der nächsten Szene geschändet, wer reich war, ruiniert, wer stark war, getötet. Niemand kann sich seiner Erfolge, seines Lebens sicher sein.