Die dritte Staffel einer Serie ist vergleichbar mit dem siebten Jahr einer Ehe: Es wird kritisch. Der Anfang steht im Zeichen der Begeisterung und bedingungsloser Euphorie. Es folgt die erste Ernüchterung, einige langweilige Episoden. In der dritten Phase wird es ernst. Die Figuren können sich nicht mehr auf die erste Verliebtheit der Zuschauer verlassen und der Plot könnte auch mal wieder zum Friseur. In diesem Zeitraum entscheidet sich, ob eine Serie echtes Potenzial hat.

 

Vor dieser Prüfung steht das US-amerikanische Erfolgsformat Girls: In Deutschland ist die dritte Staffel ab sofort auf dem Frauen- und Lifestyle-Bezahlsender TNT Glitz zu sehen. Im April 2012 war der Serie ein lauter Ruf vorausgeeilt: Die Zeiten von Sex and the City sind vorbei, jetzt kommen die Girls! Vier Frauen Mitte 20, die in New York (über)leben und ziemlich genau das Negativ von Carrie, Samantha, Charlotte und Miranda waren. Berufliche Misserfolge, katastrophaler Sex, unbeantwortete SMS und Cellulite – das Publikum war begeistert, Lena Dunham, Regisseurin, Drehbuchautorin, Produzentin und Hauptakteurin, wurde tatsächlich "zur Stimme ihrer Generation".

Was könnte also jetzt noch passieren? In der aktuellen Staffel sind Hannah (Dunham) und Adam (Adam Driver) endlich so richtig zusammen, Marnie und Charlie so richtig auseinander – und dennoch bringen beide Situationen dasselbe mit sich, nämlich subtil einsetzende Langeweile. An die Stelle von meist schrecklichen und gerade deshalb höchst erzähltauglichen Dates ist nun der Single- sowie Paartrott getreten.

Da hilft es auch nicht, wenn das Nebenpersonal etwas mehr über die Stränge schlägt: Streberin Shoshanna entdeckt ihre neue Freiheit und Jessa pendelt weiterhin energisch zwischen Drogenrausch und Entziehungskur. Auch dass die beziehungs- und dadurch scheinbar orientierungslose Marnie Sex mit Nähe verwechselt, bleibt weitgehend ohne dramaturgische Folgen.

Der stürmische Wind, der mit Girls durch die englisch- und deutschsprachige Serienlandschaft blies, ist in der dritten Staffel zu einem lauen Lüftchen geworden. Natürlich gibt es auch diesmal wieder höchst amüsante und kluge Szenen. Doch die Fragen, die sich dieses Frühjahr stellen, sind: Wie ist es 2014 um Freundinnen in Großstädten bestellt, was bewegt sie? Und: Taugt Girls noch als Repräsentant dieser Generation? 

Die junge Frau tanzt solo

Auf die erste Frage gab der vielgepriesene Film Frances Ha schon eine Antwort. Die von Greta Gerwig so entwaffnend gespielte Frances läuft, nachdem ihre beste Freundin und Mitbewohnerin Sophie mit ihrem Freund zusammengezogen ist, fortan als Einzelgängerin durchs Leben. Nach gemütlichen Freundeskreisen und proseccotrunkenen Mädchenabenden sucht man hier vergeblich, die neue "junge Frau" tanzt solo. Sie tut dies aber nicht wehleidig, wenn auch manchmal kathartisch heulend, sie tut es einfach, und ist dabei ziemlich gut.

Girls taugt zwar noch als Spiegelbild vieler Generation-Y-Vertreterinnen, mittlerweile möchte man in diesen Spiegel allerdings gar nicht mehr so gerne schauen. In Phase Drei der Serie fehlt genau genommen nur noch ein Baby von Hannah und Adam, um die ursprüngliche Mädchenclique endgültig in ihre bereits sehr sichtbar gewordenen Einzelteile zu zerlegen. Und um die aktuelle Erfahrung vieler Frauen unter 35 mal wieder eins zu eins auf die Mattscheibe zu bringen.