Gestern, neueste Episode von Germany's Next Topmodel. Die Jurychefin Heidi Klum sagt ihrer Kandidatin Aminata Sanogo, sie werde ihrer Hautfarbe wegen auf dem deutschen Modelmarkt womöglich weniger Jobs bekommen als ihre weißen Konkurrentinnen. Man sei nicht in den USA, und es sei in Deutschland nun einmal so. 

Die Art, wie wertfrei Klum von der Diskriminierung schwarzer Models sprach – "Is' einfach so" –, ist typisch für Germany's Next Topmodel: Marktgesetze werden diskussionslos akzeptiert. Das Format selbst nimmt auch die Gesetze seines eigenen Marktes umstandslos an. Es versucht, seine Zielgruppe zu verstehen und sonst gar nichts. Und kriegt es in dieser neunten Staffel wieder einigermaßen hin. 

GNTM ist die pure Marktwirtschaft

Die Sendung ist natürlich immer noch behämmert in ihrem Versuch, das elegante Tragen einer Handtasche zur Teenagerinnen-Kernkompetenz aufzublasen. In ihrer Kompromisslosigkeit bleibt sie faszinierend. Germany's Next Topmodel ist nicht pädagogisch, nicht moralisch und hat kein Bildungsziel. Die Sendung ist von der Ausgangsidee – junge Frauen konkurrieren darum, welche am besten für Produkte posiert, und es gewinnt die, die vom Publikum am besten nachgefragt wird – bis zur Auflistung der produktionsunterstützenden Kosmetikfirmen im Abspann die pure Marktwirtschaft.

Das ist das eine, was es über Klums und Sanogos Gespräch zu sagen gibt: dass es typisch für das ganze Format war.

Das andere ist, dass dieses Gespräch, auch wenn es nicht live ausgestrahlt wurde, einen größeren Kontext hat: Seit Wochen ist Sanogo rassistischen Beleidigungen ausgesetzt, die zum Teil aus der Schublade unterhalb der untersten kommen. Es mag bei Germany's Next Topmodel nicht wirklich darum gehen, wer am Ende ein weltberühmtes Topmodel geworden sein wird – den bisherigen acht Staffeln nach zu schließen: niemand. Um die kurzfristige Verständigung auf körperliche Ideale geht es aber schon. Und mancher Zuschauer scheint mit zunehmenden Verlauf dieses Fernsehwettbewerbs immer weniger zu ertragen, dass jemand, der etwas mit Germany im Namen sein will, nicht in achter Generation aus Unterfranken kommt.

Es ist keine neue Erkenntnis, dass es Leute gibt, die Beleidigungen in Kommentarspalten kotzen. Was aber doch überrascht, sind das enorme Ausmaß und der Umgang damit: Gegen Aminata Sanogo werde ausgeteilt wie gegen keine
zuvor, heißt es im Umfeld von ProSieben. Der Sender löscht mittlerweile die schlimmsten Kommentare und hat ein  "Stop Rassismus"-Schild über Facebook verbreitet. Dieses sei so oft geteilt worden wie kein anderes Posting der vergangenen Wochen.