Ich glotz TV – der Name unserer Kolumne ist Programm. Unsere Autoren schalten sich ein. Und verraten von Montag bis Freitag, welche Phänomene sie im deutschen Fernsehen entdecken.

Männer muss man einfach lieben. Sie halten sich für so stark, so organisiert, so selbstständig. Doch in Wirklichkeit sind sie schwach, planlos, ein Nichts ohne die Frau. Zumindest wenn man dem Frauen-Sender Sixx Glauben schenken darf, der bekanntlich weiß, was Frauen wollen.

So richtet er seit dieser Woche wieder jeden Mittwoch um 20:15 Uhr die Aufmerksamkeit auf die Helden der Schöpfung; mit der gehörigen Portion Schmalz, die dem Ich-glotz-TV-und-bügle-die-Wäsche-Kanal so gut steht. Schließlich geht es in Trau dich – den Rest erledige ich im Kern um das Schönste im Leben: die Liebe. Mehr sogar: die Hochzeit. Um den Bund zweier vom Schicksal einander Versprochener, denen es aber aufgrund der widrigsten Widrigkeiten des Lebens nicht gelingen mag, Ringe im gepflegten Stil zu tauschen. Schmachtalarm allererster Güte.

Die Umstände der ursprünglich aus Großbritannien importierten, in zweiter Staffel aber in den USA gedrehten Serie sind unemotional schnell erklärt: Paar will heiraten, Paar hat kein Geld, Produktionsfirma gibt Paar Geld, umgerechnet 18.000 Euro. Mit dem zuckersüßen Dreh, dass nicht die Braut, sondern der Bräutigam die Hochzeit plant. "Kinderspiel", sagt der smarte Bryan, Immobilienmakler aus Dallas, Texas. Ein echter Kerl, der am besten auf der Driving Range entspannt. "Bryan denkt, er hätte das Sagen, aber in Wirklichkeit bin ich der Boss", sagt Latresea, kurz LT, seine Verlobte.

Das mag sonst der Fall sein. Die nächsten drei Wochen aber nicht. So lang hat ihr Liebster Zeit, um ihr die Hochzeit zu planen, von der sie ihr Leben lang geträumt hat. Sie darf sich nicht einmischen – Kontaktverbot. Dabei weiß sie doch haargenau, wie ihr schönster Tag im Leben auszusehen hat. Die Protagonistin hat sich schließlich mit Taft, Trauringen und Torte auseinandergesetzt, seit sie ein kleines Mädchen ist. Ein sich wiederholendes Motiv. Und weil er der perfekte Partner ist, weiß er selbstredend, was ihr gefällt. So fallen die Protagonisten denn nie aus ihren gescripteten Rollen:

Braut: "Ich mag es schön und elegant" – Bräutigam: "Eine Themenhochzeit wär' cool" – Sie: "Ich will eine vierstöckige Torte und einen speziellen Drink … und eine Harfenistin" – Er: "Ich entscheide dann ganz spontan" – Sie: "Mein Kleid und meine Frisur sind das wichtigste (…) wenn mir die nicht gefallen, haue ich ab." 

Das Drama nimmt seinen Lauf

Wer es noch nicht verstanden hat: "Auf Bryan lastet ein großer Druck", mahnt die freundliche Stimme aus dem Off. Die Zukunft der Beziehung, Bryan hat sie in der Hand. Und geht erst mal Golf spielen, um sich zu entspannen.

So nimmt das Drama seinen Lauf. Wird Bryan es schaffen in 17, 13, oh nein bloß noch 11 Tagen ein Kleid auszusuchen? Wird Bryan es schaffen, eine Location zu finden? Wird Bryan es schaffen, nicht zu verhungern? Schließlich ist niemand da, um ihm seine Leibspeisen zuzubereiten. (Spoileralarm: Der Typ in Folge zwei bittet tatsächlich seine Mutter, ihm etwas zu kochen.)

Fragen über Fragen. Zeit durchzuatmen und sich der ungeschönten Chick-Flick-Wahrheit zu stellen: Dass alle Männer geradezu unfähig sind, eigene Entscheidungen zu treffen, sobald es um etwas anderes als Trinkspiele, Sport oder die Arbeit geht und nie erwachsen gewordene Jungs sind.

"Wie wäre es, wenn uns ein Hubschrauber abholt und dann fliegen wir mitten durch ein Feuerwerk?"

Dass Männer ohne ihre Frauen aufgeschmissen sind, der Emanzipation sei dank. Die aber sind recht nah am Wasser gebaut  und tun nichts anderes, als über ihre Hochzeit nachzudenken.

"LT weiß was sie will." – "Nicht mitreden zu dürfen, macht mich wahnsinnig."

Und dass ein echter Mann immer eine liebevolle Seite hat, die er für seine Herzensdame zu guter Letzt nach außen kehrt – auch auf die Gefahr hin sich vor Freunden zu blamieren. Die Liebe überwindet eben doch Grenzen.

"Ich will LT alle Wünsche erfüllen."

Die Namen sind dabei beliebig zu ersetzen. Schließlich sind alle Männer und alle Frauen gleich. Das merkt sofort, wer mehrere Folgen schaut.