Aber liegt die Misere des deutschen Fernsehens wirklich am Staat? In den Achtzigern fragte ich mich, ob die Deutschen vielleicht einfach nicht wissen, wie moderne Popkultur geht. Meine Freunde lachten mich aus: "Wir haben die Popkultur doch erfunden!" sagten sie.

Das ist nicht übertrieben. Die Weimarer Republik hat nur 15 Jahre gedauert, aber die Liste ihrer Film-Meisterwerke ist fast irreal lang: Der Blaue Engel, Faust, Der Golem, wie er in die Welt kam, Berlin – Die Sinfonie einer Großstadt, Die freudlose Gasse, Der letzte Mann und viele mehr.

Damals haben die Deutschen fast eigenhändig alle Kinogenres erfunden, von denen Hollywood heute lebt: Den Sci-Fi- und Special-Effects-Film (Metropolis), den Serienmörder-Film (M – eine Stadt sucht einen Mörder), das Fantasyepos (Die Nibelungen), den Horrorfilm (Nosferatu), die romantische Komödie (Viktor und Viktoria) und mehr.

Der Unterschied zu heute: Diese Meisterwerke waren kommerzielle Werke, die in Konkurrenz zueinander auf dem freien Markt entstanden, keine Auftragswerke eines Mäzenenstaates. Heute leben Deutschlands Kulturschaffende von der Gunst des Staates und machen, was der Staat will.

Erst Zusammenbruch, dann neuer, interessanter Mist

Ich weiß, was Sie denken: "Aber wenn man das gesamte öffentlich-rechtliche System von heute auf morgen ersatzlos abschafft – bricht dann nicht alles zusammen?"

Stimmt, das tut es. Ein paar Jahre lang werden Deutschlands Kulturschaffende lautstark, selbstmitleidig und im großen Stil leiden. Doch wir leben in einem der erfolgreichsten kapitalistischen Länder der Welt: Schnell werden private Geldgeber die Marktlücke entdecken und in junge, kreative Geister investieren, die Kulturprodukte herstellen, die die Leute auch sehen wollen.

Keine Sorge: Eine Fortsetzung von Tatort wird vermutlich dabei sein, auch Carmen Nebel und Co. Aber neben dem alten Mist wird langsam, ganz langsam neuer Mist auftauchen, teilweise auch richtig interessanter, neuer, herausfordernder Mist, auf den das Land der Dichter und Denker endlich stolz sein kann.

"Aber das ist es doch genau, was wir befürchten!" sagen Sie. "Das bedeutet ja die Kommerzialisierung des Fernsehens!"

Ach was. Das deutsche Fernsehen – auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen – ist längst kommerzialisiert. Kommerzieller geht es gar nicht. Dazu allerdings es ist auch noch schlecht – und dieses Problem kann behoben werden.