Ich glotz TV – der Name unserer Kolumne ist Programm. Unsere Autoren schalten sich ein. Und verraten, welche Phänomene sie im deutschen Fernsehen entdecken.

Es gibt also einen Ort, der Montreal... äh, nein, Monreal heißt. Er liegt im Landkreis Mayen-Koblenz in Rheinland-Pfalz. Es gibt dort schöne Fachwerkhäuser, enge Gassen, rundherum stehen ein paar Hügel mit den Resten einer Burg drauf. Schön isses da. Sehr idyllisch.

Monreal hat jetzt auch einen Regionalkrimi: Der Bulle und das Landei – von Miezen, Mäusen und Moneten. Der Titel beinhaltet alles, was man wissen muss. Es geht um Provinz und um Naivität, um überschminkte Landbewohner und um Geld. Dazu Musik, ein bisschen Zither, ein bisschen Hackbrett, ab und zu der Hauch einer Tuba.

Statt Tapas gibt's Roulade

Provinzkrimis sind die Regionalküche des Fernsehens. Statt Tapas gibt es Roulade, statt Sushi Eintopf. Kaum eine Provinz im Land, in der nicht gemordet und ermittelt wird im ARD-Vorabendprogramm. Husum (Heiter bis tödlich: Nordisch herb), Bochum (Heiter bis tödlich: Koslowski & Haferkamp) oder Quedlinburg (Heiter bis tödlich: Alles Klara). Kommende Woche in der Südpfalz (Frauchen und die Deiwelsmilch), dann sogar mit Daniela Katzenberger. Als wäre ein Ort in Rheinland-Pfalz nicht genug.

Regionalkrimis auf der Deutschlandkarte

Offensichtlich ist der Kontrast zwischen Idylle (verwinkelte Gassen, krähende Hähne, rotierende Windräder und grüne Wiesen, natürlich scheint auch immer die Sonne) und dem Verbrechen (Raub, Mord) immer noch nicht auserzählt. Ist ja auch erschreckend irgendwie, wenn ein beschaulicher Ort zum Schauplatz von sowas wird. Ja, von Frankfurt hätte man das erwartet, von München und Berlin auch. Dort wird ja jede Nacht an jeder Ecke jemand aufgeschlitzt und massakriert.

In Monreal ohne t wird ein Geldtransporter überfallen, die beiden Räuber tragen die Masken der Mächtigen – Obama und Merkel –, was wohl die Diskrepanz zwischen weiter Welt und Provinz verdeutlichen soll. Verdächtigt werden zwei Beamte der örtlichen Dienststelle (Uwe Ochsenknecht und Diana Amft). Dann kommt die LKA-Beamtin Melanie Marschal (ohne zwei l) und klappert mit ihrem schwarzen Rollköfferchen übers Kopfsteinpflaster. Weil es die Landeier mal wieder nicht hinbekommen.