Der Schauspieler Rolf Boysen ist tot. "Die Münchner Kammerspiele haben die traurige Pflicht, Ihnen mitzuteilen, dass der große Schauspieler Rolf Boysen heute morgen im Alter von 94 Jahren in München verstorben ist", teilte das Theater auf Wunsch der Familie mit. Über 50 Jahre habe er mit seiner Kunst die Münchner Kammerspiele geprägt, hieß es. Unter der Intendanz von Dieter Dorn hatte Boysen jahrelang zum Ensemble der Kammerspiele gehört.

Boysen war einer der bekanntesten Darsteller auf deutschen Bühnen. Er spielte in seiner Karriere antike Dramen, Shakespeare, deutsche Klassiker und zeitgenössische Stücke. Im Fernsehen wurde er einem größeren Publikum in der Hauptrolle einer Wallenstein-Inszenierung bekannt. Sogar mit über 90 Jahren veranstaltete er noch Lesungen am Münchner Residenztheater. Viele kennen Boysens Stimme als Erzähler in der Achtziger-Jahre-TV-Serie Per Anhalter durch die Galaxis.

Sein erstes Engagement erhielt Boysen 1946 in Dortmund, danach führte ihn seine Arbeit quer durch die Republik und auch nach Österreich. Stationen waren neben München und Hamburg Kiel, Hannover, Berlin, Düsseldorf, Bochum und Wien. Seit 2001 war er Ensemblemitglied am Bayerischen Staatsschauspiel. Dort hatte er nach Angaben des Residenztheaters am 2. Juli 2012 seinen letzten Auftritt mit der Lesung Der Wij von Nikolai Gogol in der Reihe Nachtseiten.

Bayerns Kunstminister Ludwig Spaenle (CSU) würdigte Boysens außergewöhnliches schauspielerisches Talent auf der Bühne und auf der Leinwand. "Rolf Boysen füllte jede Bühne mit seinem Auftritt. Mit seinem Erscheinen veränderten sich das Zeitmaß, die Wahrnehmung und die Konzentration jedes Zuschauers", sagte er.