Das Ende steht auch im Ersten gern mal am Anfang. Beim ESC am Samstag etwa stand schon vor der ersten LED-Pyro-Salve fest, dass der deutsche Beitrag auf Rang 18 landet. Und am Sonntag beginnt der Kölner Tatort, wo er sonst endet: Vorm Imbiss.

Es geht in Ohnmacht um das hippste Krimidelikt nach dem Kindesmissbrauch: Jugendliche Intensivgewalt. Ein Musikstudent wird – natürlich auf einem Bahnsteig – von zwei Tätern ins Koma getreten. Kommissar Ballauf geht natürlich dazwischen, muss aber vorm Eingreifen noch sein Bier wegwerfen, was ihn viel Glaubwürdigkeit als Zeuge kostet.

Und so dreht sich auch dieser Fall der zweitdienstältesten Tatort-Ermittler um das, was beide schon bei Amtsantritt vor 17 Jahren nicht mehr waren: Jugendliche. Leider steht das deutsche Serienfernsehen immer dann, wenn es um nachfolgende Generationen geht, knietief in der Klischeekiste. Und darin sind Täter entweder krasse Migrantenkids aus dem Betongetto oder – wie diesmal – Seitenscheitelträger aus bürgerlichem Hause.

Zu tun kriegen sie es mit ergrauten Erwachsenen wie Ballauf, die Blogs für Bitterschokolade halten, E-Mail für einen berühmten Kinderdetektiv, LOL für eine italienische Schauspielerin und Pixel für putzige Igel aus dem Programm ihrer Enkel. Dafür müssen sie sich von der jungen IT-Expertin im Team, die zwar Häslich heißt, aber ziemlich hübsch ist, mit jungklugem Lächeln als Analogienerds entlarven lassen.

Die fernseherprobte Verhaltenstypologie junger Hitzköpfigkeit und reifer Gelassenheit wird auf erfrischende Weise außer Kraft gesetzt. Während der Kommissar stets am Rande der Hysterie wandelt, bleibt sein heranwachsender Kontrahent die Ruhe selbst.

Der glaubt aber auch an altbackene Sachen wie Anstand, Ehrlichkeit, Ehrgefühl und belegt digitale Ureinwohner mit analogen Beschimpfungen wie "Computerfuzzis" oder analoge Arschlöcher mit solchen aus der Kaiserzeit.

Was abermals zeigt, dass der Tatort ein Generationenproblem hat: Es gibt bemüht juvenile Jungkommissare von Hamburg bis Erfurt. Und es gibt die Haudegen mit den antiquierten Werten, Methoden, Mentalitäten einer Alterskohorte, die womöglich besonders empfänglich sind für Krimihandlung gewordene Bild-Schlagzeilen wie diese hier.

Doch, machen sie. Und sorgen am Ende für die üblichen Ausscheidungen des Second Screens über zu lasche Gesetze, zu nachgiebige Richter, zu Sarrazin-blablabla, denen wir hier nur einen Tweet entgegensetzen wollen:

Schade ist es aber doch, dass all die sorgsam aufgebauten Interpretationsstränge des Falls zum Schluss ins Leere laufen. Im Geständnisshowdown bleibt nur die sinnlose Gewaltorgie gelangweilter Teenager übrig. War ja schon am Anfang klar wie Curryketchup. Die Moral zu der Geschicht gab’s dann bei Günther Jauch.