Weiß ist bekanntlich die Farbe der Unschuld. Dieser Münchner Tatort beginnt nicht nur weiß, sondern hochzeitsweiß. Die Braut allerdings, die kurz darauf unterm klinikweißen Leichentuch der örtlichen Gerichtsmedizin landet, entpuppt sich als Edel-Callgirl. Trotz der Reinheit seiner Leitfarbe geht es auch im 67. Fall von Franz Leitmayr und Ivo Batić um die kapitalste Schuldfrage.

In Max Färberböcks Psychodrama Am Ende des Flurs geht es aber nicht nur um die Schuld des Täters, sondern auch um die der Ermittler. Nun erwischt es auch den Leitmayr Franz: Befangenheitsalarm!

Der weißhaarige Chefmoralist des Serienkrimis missachtet nicht nur wie so oft die Dienstvorschriften, er tut dies aus Liebe. Merke: Selbst der bindungsgestörte Hauptkommissar hat ein Liebesleben und ist sogar richtig romantisch.

Fast nebensächlich ist da das Thema der Assistentensuche. Denn es könnte endlich mal Kontinuität einziehen ins Münchner Morddezernat – auch wenn der hibbelige Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer) ein bisschen jung scheint für den Job.

Lisa Wagner als (was immer das auch sein mag) "Leiterin für operative Fallanalyse" lacht zwar gern mal irre, fällt aber ansonsten nur durchs Dauerstarren auf die blickdichte Scheibe der Verhörzelle auf. Immerhin Baby Schimmerlos als wunderbar großkopferter Braukönig Feistl widersetzt sich der üblichen Charakterzeichnung bayerischer Archetypen.  

München macht seine Bewohner offenbar so kirre, dass selbst ausgewiesene Ruhepole durch die Isarauen stromern wie auf Koks.

Als Durchgeknallteste unter den Durchgeknallten erweist sich konsequenterweise die Mörderin. Eine Apothekerin, die natürlich auch unglücklich in das Mordopfer verliebt war. Und das so schön irre spielt, dass ihr die Tatort-Fangemeinde ein Hashtag verleiht.

Der Fels im brandenden Meer des Wahnsinns dieser unterhaltsamen Who-Dunnit-Hatz ist und bleibt aber: Ivo Batić. Bei dem verweisen die weißen Haare auch fürderhin auf Unschuld, Würde, Edelmut. Kollege Leitmayr dagegen verliert im Schlabberlook so die Contenance, dass er über einen Imagewandel nachdenken sollte. Wenn er denn überlebt...