Wenn Filmtitel oder Buchtitel mit Vom … oder Von der … anfangen, dann weiß man, dass es um Essayistisches geht. Vom Soundso, das ist vage und zugleich klingt es schlau und sofort ein bisschen langweilig. Der Film von Jürgen Brügger und Jörg Haaßengier heißt und handelt also Vom Ordnen der Dinge und schon ist man ein zweites Mal im Vagen, Dinge können ja alles sein.

Aber Ordnen ist gut, Ordnen, das interessiert, also erwartet man einen Film, der einem etwas Neues erzählt: warum wir ordnen und wie und vor allem wer. Vom Ordnen der Dinge ist ein Episodendokumentarfilm, es treten auf: Protagonisten, deren Namen oder Beruf man nicht immer erfährt, die sich einander nicht kennen, die aber irgendetwas ordnen (oder manchmal auch nur vermessen oder überprüfen).

So lernt man einen – ist es ein Professor oder ein Esoteriker oder beides? – kennen, der Ähnlichkeiten erkennt zwischen Schildkrötenpanzern und Bildern, die entstehen, wenn Sandkörner mit Schallwellen behandelt werden. Schön sieht das aus und bevor man nachdenken kann, was es einem über das Ordnen sagen kann (ordnet die Natur schon immer, also auch der Mensch? Oder ist es nur der Mensch, der in aller Natur unbedingt immer eine Ordnung erkennen will?), da ist man schon beim nächsten Protagonisten, einem Rentner, der zum eigenen Vergnügen zählt, wie viele Autos auf dem Parkplatz rückwärts einparken und wie viele vorwärts und wie viele Dosen sein Wanderverein pro Jahr in den aufgestellten Dosencontainern im Wald so sammelt. "Aus allem kann man eine Statistik machen", sagt er.

Alle Protagonisten des Films sind Männer

Da ist das Identifikationspotenzial groß beim Filmbetrachter, denn er ist von Beruf journalistischer Erbsenzähler, Infografikredakteur, und natürlich fragt er sich: Warum wird man so? Was ist da los? Warum macht einem das Spaß? Der Rentner erzählt es einem leider nicht. Dafür sagt seine Frau, dass sie das, was ihr Mann macht, doch eher seltsam findet.

Bis auf diesen Miniauftritt der Ehefrau sind alle Protagonisten im Film Männer. Sind nur wir Männer bedürftig nach Ordnung, soll es das heißen? Deckt sich nicht so ganz mit der Lebenserfahrung, dass in von Frauen und Männern gemeinsam genutzten Wohnungen und Büros oft die Frauen mehr Ordnung einfordern und sie Wirklichkeit werden lassen, während die Männer eher auf dem Sofa sitzen und Dosenstatistiken führen oder auf andere Weise unnütz sind. Häusliche Ordnung versus wäldliche Ordnung, vielleicht unterscheidet das die Geschlechter.