Vier Schüsse auf dem Parkhausdeck, gut getroffen, Mann tot. Schalldämpfer verstaut. Lippenstift nachgezogen. Mias Arbeitstag fängt ganz entspannt an. Dann aber, als sie wie üblich ihre Geldbündel abholen will, schiebt ihr Chef Eddy (Typ "der Pate") plötzlich diesen Brief über den Tisch. Darin steckt Mias Vergangenheit. Eine Zeit, in der Mia noch Ryan hieß, keine Brüste hatte, aber dafür eine Freundin. Diese Freundin schreibt, dass sie bald sterben wird. Dass Mia einen 11-jährigen Sohn und der wiederum drei Geschwister hat, und dass sie sich um diese vier Kinder kümmern muss. "Fuck."

Eine transsexuelle Auftragskillerin als Mutter-Ersatz? Bei Mia tun sich da Zweifel auf. Beim Zuschauer auch. Aber die beiden Briten Paul Abbot (Autor) und Sean Conway (Regisseur) haben aus diesem Plot ein großartig morbides Action-Drama gemacht. Ihre sechsteilige TV-Serie Hit & Miss, die derzeit auf RTL Crime läuft, wirkt zu keinem Zeitpunkt überladen. Sepiafarbene Westernlandschaften, Countrymusik, Holzgatterknarren. Und immer wieder Stille.

Nach einer Phase kurzer Kontemplation (ein Glas Brandy, eine Zigarette) beschließt Mia (gespielt von einer brillanten Chloë Sevigny), den Auftrag anzunehmen. Sie fährt raus ins Umland von Manchester und stößt, irgendwo zwischen Planschbecken und Schweinetrog, auf die Kinder, die jetzt ihre Mündel sind. Es folgen: eine zähe Warmlaufphase ("Verzieh dich, du Freak!"), Annäherung, ein perverser Nachbar, dem sie die Finger bricht, und zahlreiche Hormontabletten.

Vieles bleibt so, wie es vorher war. Die Profi-Killerin fährt weiter in die Stadt, um ihren Job zu machen. Sie sagt weiterhin "fuck" und "Wichser", und trinkt auch auf dem Land ausschließlich hochprozentig. Immer wieder gibt es aber auch Momente schmerzhafter Intimität. Dann, wenn Mia allein vor dem Spiegel steht und verzweifelt mit ihrem männlichen Körper hadert. Sie riskiert lieber den Tod, als sich einem Fremden nackt zu zeigen.