Gäbe es im Serienfernsehen eine Art gemeinsame Personalverwaltung aller Kanäle – die Arbeit darin wäre ein recht überschaubarer Job. Für Hauptrollen vermittelt würden schließlich bloß eine Handvoll Berufe: Kommissare und ähnliche Ermittler. Dann natürlich Ärzte oder Anwälte, mit dem Einstellungskriterium Soziopath, Tendenz Arschloch. Hinzu kommen gelegentlich Geistliche und vergleichbare Mythenwesen. Doch im Grunde war's das. Früher. Mittlerweile aber könnte die Arbeitsagentur Abteilung TV ein paar neue Bereiche eröffnen.

Ganz oben auf den Besetzungslisten rangieren inzwischen auch Lehrer (die anders als Specht heißen), Forscher (The Big Bang Theory), gar ein Psychotherapeut (In Treatment) oder Elena Uhlig als Die Familiendetektivin, also verstärkt Leute mit sozialen Aufgaben. Womit wir bei Paul Kemp wären. Paul Kemp ist das, was in der ellenbogenspitzen, konfliktfreudigen, ruppigen Privat- wie Wirtschaftswelt von heute Mediator heißt: Ein Mittelsmann, der die wachsenden Auseinandersetzungen da draußen wenigstens ein bisschen zu lindern versucht. Ein Fernsehstreitschlichter. Und gestritten wird viel, rings um Paul Kemp.

Der Wiener Gesellschaftstherapeut beschäftigt sich nicht nur professionell mit sozialen Problemen jeder Art, er ist quasi ein Problemmagnet. Schon in der ersten Folge mit dem metiertypischen Episodentitel Lauter Lügen biegt er einen medizinischen Kunstfehler psychisch grade. Erst rückt er das Liebesdoppelleben der beteiligten Ärzte zurecht, bewahrt zwischendrin einen befreundeten Kollegen vorm Absturz und packt nebenbei die eigene Ehekrise samt Pubertät des Sohnes an, ganz zu schweigen von all den persönlichen Defiziten seiner komplizierten Mediatorenexistenz.

Dieser Streitschlichter hält sich aus keinem Streit raus

Es gibt also von Anfang an überreichlich zu tun, was den Untertitel der ARD-Reihe ziemlich klingen lässt: Alles kein Problem. Von wegen! Gar nichts ist hier unproblematisch. Und das betrifft nicht nur die Dramaturgie zwischen Beziehungskrise, Mobbing und außergerichtlicher Einigung im Minutentakt, sondern mehr die Glaubwürdigkeit der Hauptfigur.  

Während es zum Selbstverständnis eines echten Mediators zählt, neutral zu bleiben, beschränkt sich Paul Kemps Understatement auf seine sandbraunen Cordanzüge. Ansonsten hält sich der Streitschlichter aus keinem Streit, den er doch schlichten soll, raus. Im Grunde ist dieser Kemp also gar kein Mediator, was umso erstaunlicher ist, als all seine Fälle angeblich auf denen des realen Mediators Ed Watzke beruhen.