Ich muss unbedingt rausbekommen, wie die Sound-Profis der Serienproduktion das zusammenbasteln, dieses typische Ssssszztt... mit raspelscharfem "zt" am Schluss. 

So klingt es nämlich, wenn sie ein Schwert aus der Scheide ziehen, die tapferen Ritter mit dem Bronzehelm, die man jetzt überall trifft im Fernsehen. Das Ssssszztt... ist ein zentrales Stilelement in all den Mittelalter-Dramen, die auf uns niedergehen. Ebenso unentbehrlich ist Hufgetrappel. Das klingt etwa so: dadat dadat dattttadat. In Wiederholungsschleife.

Dabei gleich mal vorweg: König Edward, der englische Herrscher zur Zeit des Kriegs der Rosen, gespielt von Max Irons, reitet erbärmlich. Er hoppelt eigentlich eher. Außerdem kaut er Fingernägel, und was noch übrig ist von ihnen, ist kohlschwarz. Beides scheint Lady Elizabeth Gray nicht im Geringsten zu stören. Als die beiden einander das erste Mal begegnen, schlägt sie züchtig den Blick nach unten. Derselbe Blick, den 600 Jahre später Lady Di mit großem Erfolg einsetzen wird.

Aber von vorn. Wo sind wir hier? In der ersten Folge von The White Queen, einem zehnteiligen TV-Epos, das mit großem Erfolg im vergangenen Jahr bei der BBC in Großbritannien und in den USA lief und jetzt auf sixx zu sehen ist. England 1464, der blutige Krieg der Rosen zwischen zwei königlichen Familien ist seit neun Jahren im Gang, die Yorks stehen gerade einen Tick besser da als die Lancasters. Ein Kampf um die Macht also, mit Intrigen, Liebe und Verrat. Klar, das erinnert an Game of Thrones, das ich allerdings nicht kenne.

Rein fiktives Mittelalter zu zeigen liegt der seriösen BBC nicht so, daher gibt sie der Serie einen Anstrich historischer Authentizität. Wobei man sagen muss, dass diese Epoche, das ausgehende Mittelalter nämlich, in den Köpfen der Briten dank wunderbar griffiger Figuren (Heinrich VIII., Elizabeth I.) sowieso sehr viel präsenter ist als bei uns, wo Gestalten wie  Ludwig der Fromme oder Elisabeth von Thüringen sich ausschließlich in Schulbüchern herumtreiben.

Historische Genauigkeit 1464 und die Gesetze der TV-Dramatik anno 2014 liegen natürlich im Clinch miteinander. Um uns heute eine tragende Frauenrolle näherzubringen, muss sie ein wenig frischer gemacht werden, irgendwie cooler. Als Elizabeth Gray, gespielt von Rebecca Ferguson, dem König Edward auflauert, um irgendwie ihr Gut zurückzuerobern, das der Krieg ihr genommen hat, sagt sie, im Stil einer Karrierefrau der Jetztzeit: "Ich bin es gewohnt, meine eigenen Ländereien zu führen." So etwas gefällt uns, doch. Leider hält sie diese Linie nicht durch. Was an Edward liegt, der als notorischer Frauenheld schon bald zur Sache kommt: "Ich brenne vor Verlangen...".