Glaubt man der Boulevardpresse, gehört ein Lottogewinn zu zu den schlimmsten Dingen, die einem im Leben zustoßen können. Sie spricht vom flüchtigen Glück des Geldes, von traurigen Gewinnern, die von Bittstellern belagert werden, die Millionen innerhalb kurzer Zeit durchgebracht und einen Berg Schulden angehäuft haben. Auch wenn die Glücksforschung zu differenzierteren Ergebnissen kommt: Der Lottogewinner hat auf der Medienbühne die Rolle des tragischen Helden.

Dieser Dramaturgie nimmt sich Fabian Möhrke in seinem Spielfilm Millionen an. An seinem Protagonisten Torsten spielt er die bekannte Botschaft durch: dass Geld nicht nur nicht glücklich, sondern auch ziemlich unglücklich machen kann. Torsten hat sich von den Kollegen zum Tippspiel überreden lassen. Dass er tatsächlich den Jackpot knacken könnte, kam ihm nie in den Sinn.

Man kann Millionen als eine Art Experiment betrachten. Was passiert, wenn man alle Komponenten des Lebens gleich belässt und nur eine – die ökonomische – grundlegend ändert? Was stellt man mit 22 Millionen Euro an? Wem erzählt man davon, wem gibt man ab? Und vor allem: Bleibt man der gleiche Mensch?

Möhrkes Versuchsobjekt ist Ende dreißig und ein sympathischer Durchschnittsangestellter, der die Kollegen in der Kantine mit Zaubertricks unterhält und abends auf dem Fußballplatz bolzt. Ein Kumpeltyp, etwas kindisch. Mit seinem Leben ist Torsten völlig zufrieden, weil er nicht nach Großem strebt.

Anders als die traurigen Millionengewinner des Boulevards scheitert er nicht daran, dass er zu viel will. Sondern weil er eigentlich gar nichts will, was er nicht schon hat. Diese Abwesenheit von Wünschen wird in der Philosophie als Glück bezeichnet. Doch greift die Formel noch, wenn nicht Genügsamkeit, sondern Selbstverwirklichung als gesellschaftliches Ideal gilt?

Mit dem Millionengewinn wird der Luxus der Zufriedenheit für Torsten zur Bürde. "Haus abbezahlen, Zähne machen lassen – wo ist das Problem?" fragt sein Freund Carsten. Torsten kauft sich einen Porsche Carrera, weil man das als Millionär so macht. Nach ein paar hochtourigen Runden auf dem Parkplatz muss er kotzen.

Möhrkes Parabel über das Glück ist vor allem eine soziale Versuchsanordnung. Akribisch geht er der Frage nach, wie sich mit der Freiheit und dem Druck des Geldes das Verhältnis zu Freunden und zur Familie ändert. Wenn einer sich plötzlich alles leisten kann, wird es schwer, einen gemeinsamen Nenner zu finden. Auf dem Fußballplatz wird Torsten wegen neuer Stollenschuhe schief angeguckt. Mit den Kollegen hat er sich nichts mehr zu sagen, der Chef blafft, Torsten könne den Laden ja einfach kaufen.