Claus Kleber ließ alle Rücksicht fahren. Voller Empörung twitterte der Anchorman des heute-journals am späten Freitagnachmittag: "Hier fliegen gerade die Fetzen. ZDF-Ranking-Show 'Deutschlands Beste' hat manipuliert. Mogelte mich weit vor Klöppel. Idioten! Sorry, Peter!" Für die ZDF-Show Deutschlands Beste!, unterteilt in Frauen und Männer, hat die betreffende Redaktion nach Angaben des Senders die Rangliste manipuliert.

Sie hat "Veränderungen am Ranking der Forsa-Befragung vorgenommen, die den Zweck hatten, angefragten Gästen der Show einen attraktiveren Rangplatz zu geben", heißt es in einer ZDF-Mitteilung. Dies sei ohne Wissen der eingeladenen Gäste geschehen. Als Kleber in der Ausstrahlung der Männer-Show am 2. Juli für Platz 28 gefeiert wurde, war er tatsächlich auf Rang 39 gelandet. Dieser Platz wurde RTL-Moderator Peter Kloeppel in der Sendung zugewiesen, dabei war er in der Forsa-Umfrage 27. geworden. ZDF schlägt RTL, anders kann es nicht sein.

Weitere Platzierungen waren in der Liste für Deutschlands beste Männer ebenfalls manipuliert: Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) stieg von Platz 10 auf Platz 6 auf. Franz Beckenbauer, der Ehrenpräsident des FC Bayern München, kletterte von Platz 31 auf Platz 9. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) fiel dafür von Platz 6 auf Platz 11 ab. Entertainer Michael "Bully" Herbig wurde von Platz 42 auf Platz 36 verbessert.

Hauptsache die Couch ist prominent besetzt

In der Rangliste Deutschlands beste Frauen platzierte die Redaktion Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) auf Platz 4 statt auf Platz 5. Schlagerstar Helene Fischer stieg von Platz 10 auf Platz 5 auf. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) fiel von Platz 4 auf Platz 6. 

Ob das auch politisch zu Irritationen führen wird? Politiker der Union wurden nach unten gesetzt, SPD-Vertreter dafür nach oben. Klar ist jedenfalls die Absicht: Das ZDF wollte für Moderator Johannes B. Kerner eine prominente Couch-Besetzung zusammenstellen, die nur durch gezielte Nachhilfe beim Ranking zu erreichen war.

Für einen öffentlich-rechtlichen Sender ist eine solche Offenbarung, immerhin durch eine eigene Untersuchung erkannt, ein GAU wie für den ADAC der Skandal um den Autopreis Gelber Engel. Gut, beim ADAC ging es auch um Verkaufszahlen, beim ZDF nur um Quoten. Aber die beschädigte Währung ist die gleiche: Glaubwürdigkeit. In den ZDF-Richtlinien für Sendungen und Telemedienangebote heißt es ganz deutlich: "Die Berichterstattung muss von vorbehaltlosem Willen zur Wahrhaftigkeit und Sachlichkeit bestimmt sein. Zweifel an der Zuverlässigkeit einer Nachricht sind zum Ausdruck zu bringen."