Am Anfang beherrscht ein Augenpaar die Leinwand. Streng, forschend blickt es ins Publikum. Dann zoomt die Kamera aus der Detailaufnahme langsam rückwärts, gibt Stück für Stück ein Gesicht preis. Ein sehr ernstes Gesicht, verdüstert, konzentriert. Die Oberlippe auf einer Seite grimmig und leicht verächtlich nach oben gezogen. Es ist das Gesicht eines Schimpansen, aber etwas stimmt nicht daran. Zu viel Ausdruck liegt darin. Menschlicher Ausdruck.

Der zweite Teil der Planet der Affen-Neuverfilmung lässt vom ersten Bild an keinen Zweifel, wer hier die Helden sind. Der Film beginnt und endet mit Caesar. Er und seine Affensippe übernehmen die Leinwand, Menschen bleiben Nebendarsteller. So erklärt sich die für einen Hollywood-Blockbuster bemerkenswerte Abwesenheit von Stars. In der ersten Neuauflage Planet der Affen – Prevolution übernahm noch James Franco die menschliche Hauptrolle, jetzt wird sie von dem relativ unbekannten Jason Clarke gespielt.

Seine Figur heißt Malcolm, und er gehört zu den wenigen Überlebenden einer Epidemie, die zehn Jahre zuvor fast die Menschheit ausgelöscht hatte. Nach dem Untergang der Zivilisation versammelt sich ein Häufchen dreckiger, traumatisierter Menschen in einem verrottenden San Francisco. Damit wenigstens die Stromversorgung wieder funktioniert, wollen Malcolm und einige Helfer das Wasserkraftwerk an einem Staudamm in den Wäldern außerhalb der Stadt wieder zum Laufen bringen. Hier stoßen sie auf ein Volk hochintelligenter Affen, die auf Pferden reiten, sich per Zeichensprache verständigen – und so gar keine Lust auf die Anwesenheit der merkwürdig haarlosen Verwandten haben. Ihr Anführer Caesar setzt zwar gegen den Widerstand seines Untergebenen Koba durch, dass die Menschen Zugang zum Staudamm bekommen. Durch eine Intrige Kobas kommt es aber doch zum Krieg zwischen Mensch und Primat.

Die Affen schicken sich an, die Macht über den Planeten zu übernehmen. Über den Film herrschen sie schon. Faszinierend daran ist, dass die Tiere natürlich nicht echt sind. Sie stammen aus einem Hochleistungsrechner, der die von Spezialkameras aufgenommenen Bewegungen und die Mimik echter Schauspieler auf Animationen aus Pixeln übertrug. Hinter dem Anführer Caesar etwa steckt Andy Serkis, der schon Gollum aus Der Herr der Ringe zu gespenstischem Leben erweckte. 

Den Affen Wahrhaftigkeit verleihen

In der noch jungen Geschichte des sogenannten Motion- und Performance-Capturing stellt Der Planet der Affen – Revolution einen evolutionären Sprung dar. Steven Spielberg brachte damit schon Die Abenteuer von Tim Struppi auf die Leinwand und Disney Eine Weihnachtsgeschichte. Hier diente das Motion-Capturing aber gerade nicht einer realistischen Darstellung, sondern brachte deutlich überzeichnete Comicfiguren in Bewegung. Regisseur Matt Reeves aber wollte, wie er selbst sagt, den animierten Affen Wahrhaftigkeit verleihen, auch auf der Gefühlsebene. Ähnlich wie James Cameron den blauen Aliens aus Avatar.

Ein schwieriges Unterfangen, denn der Unterschied zwischen Aliens und Affen ist im Wortsinn offensichtlich: Die einen sind Figuren, die der Fantasie entspringen; Bewegungen und Mimik eines Affen dagegen kennen Menschen aus eigener Anschauung. Je realistischer Performance-Capturing aber bisher sein wollte, desto künstlicher wirkte es. Natürliche Bewegungsabläufe sehen so einfach aus, aber ihre Übertragung in ein binäres System stieß an Grenzen.