Fargo hat zehn Folgen und Dr. Watson spielt die Hauptrolle. Rosemary's Baby bringt seine Mutter in Paris zum Wahnsinn. Viele Serien, die in den USA in diesem Jahr angelaufen sind, sind Adaptionen oder Prequels von Kinoklassikern.

Früher galt es als Ritterschlag, wenn ein Mehrteiler zu einem Film wurde, oder wenn man es als Seriendarsteller ins Kino schaffte. Heute hat sich dieser Trend umgekehrt. Wer im Filmgeschäft etwas auf sich hält, dreht eine Serie: Schauspieler wie Kevin Spacey (House of Cards), Clive Owen (The Knick), Halle Barry (Extant), Maggie Gyllenhaal (The Honorable Woman) und Matthew McConaughey (True Detective), Regisseure wie Steven Soderbergh (The Knick), David Fincher (House of Cards) und Martin Scorsese (Boardwalk Empire) sind nur einige Beispiele. 

Insofern ist es folgerichtig, dass nun auch vermehrt Kinoklassiker als Serie adaptiert werden. Hannibal und Bates Motel erzählen die Vorgeschichten zu Das Schweigen der Lämmer und Psycho. Die Miniserie Fargo dagegen orientiert sich nur sehr lose an dem Filmklassiker der Coen-Brüder, obwohl diese sogar als Produzenten beteiligt waren. Dank der Hauptdarsteller Martin Freeman (bekannt als Dr. Watson in der Serie Sherlock) und Billy Bob Thornton hat die Serie einen ähnlich schwarzen Humor wie das Original.

Ähnlich verhält es sich mit der gelungenen Serienadaption von Robert Rodriguez’ From Dusk till Dawn, die lose auf dem Originalfilm, dem weniger bekannten zweiten Teil und dem Videospiel basiert. Auch hier haben die Macher den einstigen Regisseur als Produzenten und Ideenentwickler mit ins Boot geholt.

Um zu verstehen, warum viele Produzenten nach bekannten Kinotiteln greifen, muss man die sich verändernde Senderlandschaft in den USA betrachten. Vor wenigen Jahren noch teilte sich der Serienmarkt im Wesentlichen unter den großen vier Sendern (NBC, ABC, CBS, FOX), einigen kleineren Cable-Sendern (wie FX, AMC, USA Network oder SyFy) sowie den Bezahlsendern HBO und Showtime auf. Zuerst begannen die Bezahlsender, mit großartigen Drama- und Comedy-Serien den großen vier Konkurrenz zu machen, einige Jahre später folgten dann die kleineren Cable-Channels.

Konkurrenz durch Amazon, Netflix und Youtube

Heute haben sich reine Netzanbieter wie Amazon, Netflix, Yahoo und Youtube nicht nur durch ihre Angebote wie monatliche Flatrates, YouTube Original Channels und AmazonPrime Streaming, sondern auch durch ihre Eigenproduktionen zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz entwickelt. Neben dem von Zuschauern und Kritikern gefeierten House of Cards ist auch die Netflix-Eigenproduktion Orange ist the New Black zum Überraschungserfolg avanciert. Yahoo hat Community und Enlisted übernommen, zwei Serien, die im Fernsehen nur eine kleine, aber treue Zuschauerschaft haben und produzieren nun weitere Staffeln davon.

Die Programmgestalter im klassischen Fernsehen versuchen mit mehr und mehr Serienproduktionen dagegenzuhalten.  Während vor einigen Jahren die großen Serien immer nur im Herbst gestartet sind, wird heute auch der einst stiefmütterlich behandelte Midseason-Starttermin nicht mehr nur für seichte Frühlings- und Sommerunterhaltung, sondern für hochkarätige Serienstarts genutzt. Ähnlich wie in der Modebranche muss nun auch im Fernsehbusiness ganzjährig Großes aufgefahren werden.