Zu Beginn möchte man das noch gegen den Film verwenden. Dass der Immobilienhai aussieht wie eine Immobilienhai-Karikatur, also mit Seidentuch am Hals, braun gebranntem Ibiza-Gesicht und breitmäuligem Gewinner-Grinsen; dass da ein blonder Norweger ernsthaft mit einer Pelzmantel-Italienerin auf dem Dach der alten DDR-Prachtbauten an der Berliner Karl-Marx-Allee steht und der Stadt zu seinen Füßen höhnisch zuruft: "They call it Verkaufswetter!" We call it Klischee-Gewitter.

Es wird dann leider schnell klar, dass das alles wahr ist. Ganz ruhig erzählt die Doku Wem gehört die Stadt? in 90 Minuten von den Protagonisten des neuen Häuserkampfs in Berlin. Alle sind dabei, die Spekulanten und Makler, die wütenden, verdrängten Mieter und die Käufer mit den mehr oder weniger großen Gewissensbissen. Sie lassen sich tatsächlich nach Kategorien sortieren, wie sie sich die bräsigsten Kapitalismuskritiker schon immer gedacht haben: Wer Geld hat, hat die Macht und ist der Täter. Wer kein Geld hat, ist das Opfer.

Das ist so, weil der Häuserkampf, gerade in Berlin, hat, was ein klassisches kapitalistisches Drama braucht: Erstens einen Markt, der immer schneller dreht, angetrieben durch das ewige Kapital und, man muss das so marxistisch sagen, der Suche nach den höchsten Profitraten. Zweitens eine Ware, die existenziell ist, sodass es nicht nur um Kaufen und Verkaufen geht, sondern ums ganze Leben. "Das hat doch nichts mehr mit Menschenrecht zu tun!", ruft die Tochter einer Kreuzberger Familie unter Tränen kurz vor der Zwangsräumung. Der Film zeigt eine menschengemachte Dynamik, die die Welt brutal in Gewinner und Verlierer teilt.

Die Gewinner zum Beispiel sitzen in einem Reisebus und lassen sich von einer Immobilienfirma durch Berlin fahren. Sie blättern in Prospekten, während draußen in der Dämmerung Berlin und seine "Kleinode" vorbeiziehen, wie die Maklerin am Reiseleiter- und Verkaufsmikro die Häuser und Wohnungen nennt. Da wird die Stadt zur Auslage und der Immobilienkauf zum Windowshopping.

Die Gewinner sitzen aber auch in einer heruntergewohnten Küche in Berlin-Schöneberg. Zwei Brüder, die diese Wohnung verkaufen wollen, 280.000 Euro hätten sie gerne gehabt, aber dann riss der Markt sie mit und die Leute stürmten die Wohnung. Deshalb sitzen sie nun in der Altbau-Küche und prosten sich mit Sekt zu, und einer sagt: "Die Leute, die sich nicht bemühen, die lade ich auch nicht mehr ein." Und überhaupt, man würde jetzt noch mal Gespräche mit den Kandidaten führen, dann habe jeder zehn Minuten Zeit, für sich zu werben und dafür, "warum ich gerade ihnen die Wohnung verkaufen sollte". Da sitzen diese ganz normalen Menschen und berauschen sich an ihrer Marktmacht, die, weil es ums Wohnen geht, direkte Macht über Menschen ist.

Irgendwer zahlt immer

Am Ende verlosen sie die Wohnung unter drei Bewerbern die alle bereit waren, noch einmal 70.000 Euro draufzulegen. Aus den Augen und Worten der Verkäufer spricht da längst Gier. Haben wir alles rausgeholt? Prösterchen! Irgendwer zahlt immer, ist das nicht Angebot und Nachfrage, Wettbewerb, Freiheit?

Ja, das ist es. Und deshalb ließe sich die Forderung linker Kreuzberger Aktivisten, die im Film "Die Häuser denen, die drin wohnen!" rufen, nur durch staatliche Wohnungsplanwirtschaft wirklich erfüllen. Der Staat aber hat sich mittlerweile selbst aus dem traditionellen sozialen Wohnungsbau zurückgezogen. Zu teuer.