Die Musik immerhin ist wirklich gut. High Inergy singen ihren Hit You can’t turn me off (in the middle of turning me on), Aretha Franklins Rocksteady läuft zu den Bildern einer Verfolgungsjagd, immer wieder Rhythm-'n'-Blues-Klassiker, zu denen man die Lichter Hollywoods von oben bestaunt. Das war es dann aber auch, was es Gutes über Ray Donovan zu sagen gibt, die Showtime-Serie, die ab jetzt freitags im ZDF zu sehen ist.

Ray Donovan dreht sich um einen Mann mit dem Namen Ray Donovan, der als Matulas härterer Bruder in Hollywood arbeitet: Für eine Anwaltskanzlei kümmert er sich um die Schmutzwäsche der Stars, Arbeit mit dem Baseballschläger ist im Tarif enthalten. In der Pilotepisode wacht ein Profi-Sportler im Hotelzimmer neben einer Toten auf, mit der er die ganze Nacht gekokst hat – Donovan kommt vorbei und kümmert sich darum. Ein Actionfilm-Schauspieler ist schon wieder mit einer Transsexuellen erwischt worden – Donovan regelt das. In dem Fall sogar nach dem Prinzip zwei Fliegen, eine Klappe: Der schwule Schauspieler legt sich zu der Kokstoten ins Bett und schon ist seine Heterosexualität wiederhergestellt.

Liev Schreiber spielt die Hauptfigur, aber den Job hätte eigentlich auch Jason Statham oder der junge Jean-Claude Van Damme übernehmen können: Ausdruckslos und wortkarg schlägt sich Donovan durch eine verkommene Hollywood-Welt, für die er und die ganze Serie nur Verachtung übrig haben: Pädophile und Betrüger überall, und Schwule sowieso. Frauen sind hysterische Tanten, die Donovan nerven, wenn sie bei ihm einbrechen und sich an sein Waschbecken ketten. Weil sie nicht anders können, als sich ihrem Beschützer sexuell hinzugeben. Denn Donovan ist der Daddy, der sich kümmert, natürlich auch um seine eigene Familie. "Du bist der letzte männliche Donovan, du musst einen Sohn zeugen, damit der Name bestehen bleibt", gibt er seinem Jungen mit auf den Weg.

Die rückständige Geschlechterpolitik, mit der Donovan als Ultramann gegen die zynische Hollywood-Welt loszieht – das ist aber nur die eine Hälfte des Problems mit dieser Serie. Die andere Hälfte ist Langeweile. Dass Donovan sich ständig voller Wut Whiskey nachgießt, macht ihn noch lange nicht zum komplexen Antihelden. Wenigstens spricht er dabei kaum, muss also auch nicht solche windschiefen Sätze aufsagen, wie es die Nebenfiguren tun: "Du bist krank, Ray. Da wo bei anderen die Liebe ist, hast du ein Loch im Herzen." Einmal brüllt ein korrupter Polizist: "Mann, Ray, ich bin beim Scheiß-FBI", damit es auch der letzte Zuschauer noch versteht – da waren die Autoren auch nicht subtiler als die Hauptfigur mit ihrem Baseballschläger.

Dass die deutsche Synchronisation dann auch schlampig mal "I remember that" als "Das werde ich mir merken" wiedergibt – verständlich, wer hat schon große Lust, lustlose Dialoge zu übersetzen?