Liebe, dieses Monstermegadauerfilmundfernsehthema, spielt im Tatort bloß die Nebenrolle. Im Alltag seines ermittelnden Personals variiert sie vorwiegend zwischen Abwesenheit und Beziehungstrott. Als Tatmotiv pervertiert sie oft zur krankhaften Eifersucht. Zu Beginn des neuen Falls fliegen nun süße Luftballonherzen durch den Kölner Herbsthimmel und aus dem Off fragt eine zarte Frauenstimme nach den Geheimnissen menschlicher Zuneigung.

So viel Gefühl nach so kurzer Zeit – das ist selten im Dunstkreis des Kapitalverbrechens. Das hier jemanden erwischt, der anderen zum Liebesglück verhilft: Natascha Klein, Besitzerin einer erfolgreichen Partnervermittlung.

"Die Leute planen eben gern", sagt ein Partnervermittler, "selbst die Liebe." Daher wird seine Firma Lovecast mitsamt dem Episodentitel Wahre Liebe zum Leitmotiv des 61. Falls von Ballauf/Schenk. Es geht ums Spannungsfeld zwischen Leidenschaft und Pragmatismus, dem sich hier keiner entziehen kann; nicht die spröden Mauerblümchen, denen ein Zauberer genannter Heiratsschwindler zwar letztlich das Konto plündert, zuvor aber auch die Herzen berührt.

Auch nicht die neue Assistentin mit der nervigen Kinderstimme, die sich beim verdeckten Einsatz in ihr verdächtiges Blind Date verknallt.

Ja, nicht mal Max Ballauf, dieser einsame Wolf, dem die Daueraffäre mit der Polizeipsychologin Lydia langsam zu unverbindlich wird.