"Ich höre Ihnen zu", versichert Pater James Lavelle (Brendan Gleeson) seinem verborgenen Gegenüber im Halbdunkel des Beichtstuhls. "Ich werde Euch umbringen, Vater." – "In der Tat eine alarmierende Eröffnung", entgegnet Lavelle trocken.

Der Priester ist ein ehrlicher, zupackender Mann, er leistet seinen Dienst in der westirischen Provinz. Und hat sich nichts vorzuwerfen, was einen Mord rechtfertigen würde. Er ist zugewandt, ehrlich um seine Gemeinde bemüht. Und nun soll er sterben, am kommenden Sonntag. Gerade weil er ein guter Priester ist. Sein Mörder will ein Exempel statuieren. Als Rache dafür, dass er als Kind von katholischen Geistlichen sexuell missbraucht wurde.

Wegen des Beichtgeheimnisses schaltet James die Polizei nicht ein, aber weglaufen will er auch nicht. Also versieht er weiterhin den Dienst in seiner Gemeinde. Er besucht seine Schäfchen und kümmert sich um ihre Probleme. Die wissen das allerdings wenig zu schätzen. Zurückweisung schlägt ihm überall entgegen, vom Arzt mit den ständigen zynischen Sprüchen über den Metzger, der wahrscheinlich seine Frau schlägt, bis zu dem ständig betrunkenen Millionär, der die Lust am Leben verloren hat.

Brendan Gleeson spielt den Priester Lavelle als zupackenden Kerl, der um das Unglück in der Welt weiß und sich ihm mit seinem massigen Körper entgegenstellt. Auch wenn man in jeder Szene spürt, wie schwer das Gewicht auf seinen Schultern ist.

Der irische Ausnahme-Schauspieler adelte mit seiner herausragenden Leinwandpräsenz häufig Epen wie Gangs of New York und die Harry-Potter-Reihe – viel zu oft in Nebenrollen. Mit seiner Rolle als missgelaunter irischer Kleinstadt-Cop in The Guard hatte der irisch-britische Regisseur John Michael McDonagh ihm dann eine fantastische Rolle auf den Leib geschrieben. The Guard war abgründig, tiefschwarz, politisch unkorrekt, schnoddrig. Tarantinoesk nennt man diesen Stil wohl. Der Film wurde 2011 überraschend zum erfolgreichsten irischen Film aller Zeiten.

In der zweiten Zusammenarbeit der beiden, Am Sonntag bist du tot, ist der Ton deutlich düsterer. Der Witz hat dieses Drama um Missbrauch, Niedertracht und Verzweiflung längst durch die Hintertür verlassen. Geblieben ist grimmiger Sarkasmus. Und ein Gefühl der Beklemmung, das den Zuschauer von Anfang an packt.

Bei The Guard blieb offen, ob der Polizist den finalen shootout überlebt hat. In Am Sonntag bist du tot ist die entscheidende Frage, ob der Priester die ganze Zeit weiß, wer ihn mit dem Tod bedroht. Normalerweise hüten Filmemacher in solchen Dingen ihre Zunge, um die Spannung nicht vorwegzunehmen und dem Zuschauer seine eigene Interpretation zu belassen. McDonagh hält von solchen Spielchen nichts. Klipp und klar sagt er in Interviews, wie er die Dinge meint. Natürlich ist der Polizist tot. Natürlich weiß der Priester, wer ihn töten will. Dieser Regisseur hält nichts von einem Abtauchen ins Ungefähre.