Das Unbewusste geisterte schon dort in Form von Golems, Somnambulen und Vampiren über die Bildfläche. Der Horror des Weimarer Kinos war die irre Angst vor dem Fremden im Selbst, vor dem unguten Gefühl, dass das Selbst überhaupt nur eine Konstruktion sein könnte. Vorgänge der Seele modellierte das noch junge Kino zu (Alb-)Traumwelten, während C.G. Jung zur gleichen Zeit seine Theorie des kollektiven Unbewussten entwickelte und schrieb: "Ob ich nun an einen Dämon des Luftreichs glaube oder an einen Faktor im Unbewussten, welcher mir einen teuflischen Streich spielt, ist völlig irrelevant. Die Tatsache, dass der Mensch von fremden Mächten in seiner eingebildeten Einheitlichkeit bedroht ist, bleibt nach wie vor dieselbe." Auf ihn bezieht sich Till Kleinert ausdrücklich in einem Text zu Der Samurai.

Das Verdrängte, das im Unbewussten weiter wirkt und zu psychischen Leiden führt, es nimmt in Der Samurai eine ganz konkrete Form an. Das ist trivial und wunderbar zugleich und schafft einen Filmstoff irgendwo zwischen Twin Peaks, Horror-Trash und Kunstkino, wie man ihn hierzulande lange nicht mehr gesehen hat. Im letzten Drittel hebt der Film völlig ab, wird halluzinogener Veitstanz, schillernde Ekstase und kosmisches Blutbad. Ob dieser Trip nun zur Läuterung führt oder ein barbarischer Akt der endgültigen Selbstvernichtung ist, bleibt offen.

Schön also, das solch ein synapsensprengender Irrsinn aus Deutschland nun ganz regulär in die Kinos kommt. An den hiesigen Filmemachern liegt es dabei sicher nicht, dass Der Samurai eine solche Ausnahmeerscheinung ist. Dass ihre Imagination sprüht, beweist auch ein so ungewöhnlicher deutscher Film wie Love Steaks. Das von Gremien und Fernsehsendern beherrschte deutsche Modell der Filmförderung verhindert jedoch offensichtlich das Entwickeln von Stoffen jenseits des Konsens' und so genannten guten Geschmacks. Die beiden genannten Filme entstanden jedenfalls als Abschlussarbeiten an Filmhochschulen. Von der Filmförderung waren sie abgelehnt worden.