Wollte man den Ludwigshafener Tatort in einem Tweet zusammenfassen, so wäre es dieser:

In den vergangenen 25 Jahren hätte diesen Satz vielleicht ein Mordverdächtiger gesagt oder eine einsame Zeugin, die von der toughen, aber immer verständnisvoll nickenden Lena Odenthal verhört wurde. Nun aber spricht ihn die Ermittlerin selbst. Und das ist dann doch ein kleiner Wachrüttler für alle, die sich von Odenthals 25. Dienstjubiläum genau das erwartet hatten, was sie in den vergangenen Jahren geliefert hatte: gepflegte Langeweile mit einem Schuss öffentlich-rechtlicher Sozialempörung.

Stattdessen gibt es zum Jubiläum eine Flasche Champagner, eiskalt serviert im Rektum des männlichen Mordopfers. 

Damit hört der Spaß allerdings schon auf. Denn von da an wankt Lena Odenthal schlaflos durch Ludwigshafen, trinkt zu viel und kämpft gegen Schwindelanfälle, Panikattacken und Wahrnehmungsstörungen. Und Kollege Kopper, mit dem sie gemeinsam mit der Katze in einer WG lebt, fährt auch noch zur famiglia nach Sizilien in den Urlaub.

Es ist gleich eine doppelte Depression, die wir hier zu sehen bekommen. Zum einen die der Protagonistin, zum anderen die des SWR. Denn Lena Odenthal ist nicht nur die dienstälteste Kommissarin, der Ludwigshafen-Tatort steht auch am Ende der Innovationsskala. Nachdem nun jeder Fall mindestens 20 Filmzitate, 30 Stunts oder 48 Tote liefern muss, ist die Luft dünn geworden für altgediente Kommissare, die halt einfach nur ihr Süppchen mit sozialkritischer Soße kochen.

Als Frischzellenkur hat das drehbuchschreibende Ehepaar Eva und Volker A. Zahn der alternden Kommissarin also eine Depression verschrieben. Und eine junge, technikaffine Assistentin, die "frischen Wind in den Ermittleralltag" bringt.