Ob bald auch Silicon Valley – das Musical Premiere feiert? Oder Silicon Valley – der Ego-Shooter in die Läden kommt? Zu befürchten ist es. Kein Landstrich der Welt steht gerade unter so verschärfter kultureller Beobachtung wie die knapp 4.000 Quadratkilometer südlich von San Francisco. Von hier aus beherrschen Google, Facebook und Apple die Welt – und jeden Tag gebärt das Tal ein neues Start-up, das morgen die Welt beherrschen könnte. So erzählt man sich’s jedenfalls, und inzwischen haben sich diese Erzählungen zu einem regelrechten Silicon-Valley-Pop verdichtet, mit eigenem Inventar an Klischees und Figuren: Dem modernen Antihelden, früher Nerd genannt (The Social Network, Betas), der Angst vor Überwachung und Fremdbestimmung (The Circle) hat, aber auch dem klassischen amerikanischen Narrativ, dass es nur der richtigen Idee bedarf, um reich zu werden.

Sehr schön zu besichtigen ist dieses ganze Inventar im neusten Produkt des Merchandise-Shops der Digitalisierungszentrale: in der HBO-Sitcom Silicon Valley, die ab sofort beim Bezahlsender Sky auf Deutsch zu sehen ist.

Mike Judge, einer der Schöpfer der Serie, war vor langer Zeit selbst in eben diesem Tal tätig, bevor er mit Beavis and Butt-Head berühmt wurde – der wohl ersten Nerd-Show im Fernsehen überhaupt. Das Format der Sitcom drängt sich beim Thema Silicon Valley auf. Zum Narrativ gehören ja auch die vielen Albernheiten der IT-Welt. Statt Konferenzräume gibt es in der Firma Bällebäder und jeder Programmierer einer Dating-App für Hunde denkt, er sei bald Milliardär und verändere die Welt.

An diese Klischees knüpft Silicon Valley nahtlos an: Die Serie beginnt mit dem Musiker Kid Rock, der auf einer Bühne eine schweißtreibende Show abliefert, mit Feuerwerk und allem Pipapo. Schnitt. Die Bühne steht im Garten eines Privathauses, vor ihr lungern eine Handvoll Männer in Anzügen herum, sie haben dem Star den Rücken zugedreht und plaudern gelangweilt. Eingeladen hat einer dieser jungen Typen, der sein Start-up gerade für einen Riesenhaufen Geld an Google verkauft hat. Kid Rock, bemerkt einer, sei vermutlich der Ärmste auf dieser Party – abgesehen mal von den Protagonisten der Serie, vier Programmierern, bei denen der Erfolg bisher ausgeblieben ist.

Verloren irren sie zwischen den anderen Partygästen herum: Richard (Thomas Middleditch) ist eigentlich zu schüchtern für das ganze Business, Bertram (Martin Starr) gibt lieber den kühlen Einzelgänger und interessiert sich für Satanismus, Dinesh (Kumail Nanjiani) leidet darunter, dass er nicht sehr viel Erfahrung mit Frauen hat und Nelson (Josh Brener) wird nur deshalb Big Head genannt, weil sein Kopf tatsächlich sehr groß ist. Die Tech-Partys laufen für die Vier genauso ab wie die Partys früher in der Schule: Sie sind die Außenseiter irgendwo am Rand der Tanzfläche.

Das ändert sich schlagartig, als zwei der wichtigsten Institutionen dieses fiktiven Silicon Valley auf Richards App aufmerksam werden: das Unternehmen hooli, angelehnt an Google, und der schrullige Risikoinvestor Peter Gregory. Plötzlich sind Richards und sein Pied Piper das nächste große Ding. Die Anti-Plagiats-App, für die sich zuvor niemand interessierte, enthält nämlich einen Algorithmus, von dem sich die Branchengrößen eine Revolution des Datentransfers erhoffen. Disruptiv!