Der echte Wurst-Gourmet wählt seinen Wohnsitz mit Bedacht. Er haust nördlich-niedersächsisch, am Schweinegürtel. Zwischen Stoppelfeldern, Mais und Windrädern werden hier mehr Masttiere gezüchtet als irgendwo sonst in Deutschland. Wer gut achtgibt, erblickt in besagtem Idyll sogar rotbäckige Jünglinge mit Schiebermütze, die karierte Brotzeit-Tücher entfalten und beherzt in saftige Knackwürste beißen.

Fast schade, dass Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) bekennende Joghurtianerin ist. Ihr erster Fall nach zwei Jahren Ermittlungspause führt sie schließlich hautnah in die niedersächsische Bifi-Szene. Kopf der Bande und besonderes Schmankerl für jeden Sinatra- und Wagner-Fan: Heino Ferch alias Jan-Peter Landmann, der Billigwurst-Macher und Familienpatron. Nur können am Ende, Wurst hin, Sinatra her, eben weder steile Industriellen-Philosophien

noch die geschmackvolle Dolby-Surround-Beschallung im Automobil des Wurst-Mafiosos

über das patronengroße Loch im Kopf des Landmann-Chauffeurs hinwegtäuschen. Lindholm nimmt sich der Schweine an, mit astreinen Methoden (Hausaufgabenheft) und heroisch verstärkt von Kollegin Bär alias der Blick alias die Achtziger-Hose, der Frau, die zum Retten nicht viele Worte braucht und sich somit wider Erwarten als kompetent erweist. Die lauernden Gefahren sind: Landmann himself, mit Präsentkörben (Wurst!) und Glashammern hantierend, fleischeslustig in jeder Hinsicht. Ein mordlustiger Sicherheitschef. Und ein röhrender Eber in Babywal-Format …

Und da, huch, ganz plötzlich, ist aus dem Rosamunde-Pilcher-Stück der ersten Minuten (siehe oben: Lönneberga) und aus dem genretypischen Gesellschaftsfass der Minuten danach (Gammelfleisch, Tierschützer, Mord, Skandal!) ein Horrortrip erster Güte geworden. Statt Wagner-Musik: schauriges Katzenjammern. 

Statt Bullerbü: bulgarische Werksarbeiter (augenzuckend) und eine Maria Furtwängler, die dem unvorbereiteten Zuschauer gruselige Fremdsprachenkenntnisse offenbart …

Vor dem Bildschirm bleibt da nur mehr das Warten auf den Wurst-Case. Der sich andeutet durch Goldknacker, wohin das Auge blickt. Durch dezente politische Brennpunktanleihen (Rassismus, Sexismus, Ausbeutung). Und durch tödliche Schweinekotdämpfe (Miauuuuuuu!), deren sich die Kommissarin während einer unfreiwilligen Schlachthausvisite erwehren muss …

Längst sind da 50 Prozent der Zuschauer und allen voran Lindholm selbst zum bekennenden Veganer geworden. Der Einzige, der sich bei so vielen potenziellen Entrüstungsmomenten bis zuletzt schamlos treu bleibt, ist der Wurstkönig selbst. Wäre es nach ihm gegangen, es hätte ein unterhaltsamer Familienabend werden können. Mit Würstchen, Glashammer und einer Prise coolem Sound dazu …