"Wir feiern heute alle Filme, an denen Nordkorea nichts auszusetzen hat." Da ist er. Der Poehler/Fey-Humor. Das dritte Jahr in Folge haben Amy Poehler und Tina Fey die Verleihung der Golden Globes moderiert. Für Komiker in den USA kommt das einem Ritterschlag gleich.

Poehler und Fey kommen aus derselben Humorschule, zum ersten Mal begegnet sind sie sich beim Improvisationsunterricht in Chicago. Beide gehörten später zum Ensemble der traditionsreichsten US-Comedy-Show Saturday Night Live. Doch während Tina Fey seit ihrer Parodie auf Sarah Palin auch in Deutschland vielen bekannt ist, weiß kaum jemand, wer die blonde Frau neben ihr ist.

Die Bezeichnungen "Superstar" und "Multitalent" sind abgenutzt. Doch Amy Poehler ist genau das. Sie ist Schauspielerin, Comedy-Autorin, Produzentin. David Letterman stellte sie als "One-woman-industry" vor und für das Time Magazin war sie 2011 eine der 100 einflussreichsten Menschen der Welt.

Poehler ist sehr blond und hat sehr große Augen. Aber ihre Rolle ist nie die des Dummchens. Bei Saturday Night Live stellte sie schnell klar, dass sie nicht die Freundinnen und Ehefrauen in den Szenen der Jungs spielen werde. Ihre Paraderolle ist die der ehrgeizigen Verliererin. Ihre bekannteste Figur ist Leslie Knope, stellvertretende Leiterin eines Grünflächenamtes in der Serie Parks and Recreation. Die Serie ist in der Tradition von The Office gehalten (das Vorbild für die deutsche Serie Stromberg). In den USA läuft gerade die siebte Staffel an. 

Inspiriert vom Yes-we-can-Wahlkampf Barack Obamas glaubt Knope, dass jeder Einzelne etwas bewegen kann. Anfangs will sie nur eine Brachfläche in einen Park verwandeln. In Wahrheit träumt sie davon, die erste Präsidentin der Vereinigten Staaten zu werden. Poehler spielt Leslie Knope mit ihren Schwächen, ohne sie bloßzustellen. Selbstironie und Uneitelkeit gehören zu ihrem Repertoire.

In der Serie Welcome to Sweden, die am 15. Januar im NDR anläuft, treibt Poehler diese Selbstironie auf die Spitze. Sie verkörpert dort nämlich Amy Poehler: als gemeine Version ihrer selbst. Poehler fungiert außerdem als Produzentin, ihr Bruder Greg spielt die Hauptrolle. Welcome to Sweden spiegelt seine eigenen Erfahrungen wider, Greg Poehler ist selbst vor fast zehn Jahren nach Schweden ausgewandert. Die Serie erzählt, wie der Amerikaner Bruce sein Leben in New York aufgibt und mit seiner schwedischen Freundin Emma ganz neu anfängt. Eine klassische Fish-out-of-water-Comedy also, in der es einen Menschen in eine fremde Umwelt verschlägt.

Die erste Folge ist noch etwas brav geraten und zelebriert die Klischees: Natürlich geht der prüde Amerikaner mit Badehose in die Sauna. Im Verlauf aber wird die Serie bissiger, böser, wahrer. Emma wird nicht mehr zu Freunden eingeladen, weil die es satt haben, wegen Bruce Englisch sprechen zu müssen.

In ihren dunkleren Momenten zeigt Welcome to Sweden, dass hier mehr als Anekdoten über den Kulturschock abgefeuert werden: Ernüchterung zum Beispiel, beim Besuch des Arbeitsamts. Bruce muss seine berufliche Selbstfindung aufgeben und sich einen normalen Job suchen. Die Serie erzählt von einer globalisierten Welt, in der es anfangs selbstverständlich erscheint, dass ein Liebespaar eine unterschiedliche Herkunft hat. Man dann aber feststellt, dass einen mehr trennt als nur die Sprache. Als die amerikanischen Eltern zu Besuch kommen, irritiert der Vater erst mit einem langen Tischgebet. Freimütig sagt er kurz darauf, dass ein Kind eines unverheirateten Paares ein Bastard sei. Stille. Dann sagt Bruce: "Dad, du hast eben fast alle hier als Bastard bezeichnet."